Aktuelle Ausgabe
2008_46

Gedanken zum Evangelium

Neue Schließanlage!

Sr. M. Ancilla Ernstberger

Weil Petrus stets aufmerksam den Ruf Gottes registrierte und sich von ihm führen ließ, konnte er auch das Messiasbekennt­nis formulieren. Und deshalb vertraute ihm Jesus auch die Schlüssel des Gottesreiches an. So deutet die Augustiner-Chorfrau Schwester Ancilla Ernstberger die Primatsstelle aus dem Matthäusevangelium.

von Ancilla Ernstberger

Am Ende einer grundlegenden Sanierung unseres Klosters ging es darum, eine Schließanlage zu kaufen und zunächst einmal einen Schließplan dafür zu entwerfen. Keine einfache Angelegenheit! Es ist kaum möglich, bei allen Berechtigten Schlüssel zu verteilen und zugleich bei niemandem Missstimmungen hervorzurufen, weil der eine oder andere meint, bestimmte Zugänge seien doch für ihn unerlässlich. 
All das zeigt, ein Schlüssel ist mehr als ein Gebrauchsgegenstand; mit ihm verbinden sich Gefühle der Unabhängigkeit oder Abhängigkeit, der Über- oder Unterordnung, der Anerkennung und der Ablehnung. Mit Türen und Schlössern werden klare Grenzen gezogen, die nur Befugte überwinden können, wenn sie den passenden Schlüssel mit sich führen. Manchen Menschen reicht es nicht, sich darauf zu verlassen, dass ihnen von innen Einlass gewährt wird, sie möchten sich generell immer selbst Zutritt verschaffen.
In unserem persönlichen Leben sprechen wir selbst von Schlüsselerlebnissen, die uns neue Horizonte aufzeigen. Wir wissen, wenn wir den Schlüssel zu einem Menschen gefunden haben, dass damit Vertrauen entstanden ist.
Die Schlüsselsymbolik bestimmt auch das Evangelium. Nach dem Messiasbekenntnis des Simon Petrus verspricht Jesus ihm: „Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreiches übergeben.“
Petrus kann nicht aufgrund eigener Klugheit Jesus als den Messias bekennen. „Nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel.“ In Gottes Vollmacht liegt es, wem er sich zeigen will, von wem er sich erkennen lassen will, wem er den Schlüssel zur Erkenntnis anvertraut, Jesus als den Mensch gewordenen Sohn Gottes zu begreifen.
Petrus mag von seinem forschen Bekenntnis überrascht gewesen sein, denn aus sich selbst hatte er diese Einsicht nicht. Jedoch war er schon während seiner ersten Berufung zum Menschenfischer hellhörig für Gottes Anruf, dem er sein Herz nicht verschloss. Offensichtlich hat sich diese Berufung bewährt und Petrus ist weiterhin achtsam gegenüber den Eingebungen Gottes. Das macht ihn vertrauenswürdig, die Schlüssel des Himmelreiches zu verwalten. Indem Jesus Petrus in neue Verantwortung ruft, wird deutlich, dass er sein Reich mit konkreten Menschen bauen will.
Entscheidend für das eigene Leben ist es nicht, wie schlüsselgewaltig ich bin. Vielmehr sollte ich auf das Klopfen Gottes hören, der in mir Wohnung nehmen will.


21.11.2008
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