Missionarisches Forum im Bergkloster diskutierte über neue Wege zu den Menschen
Neuaufbrüche positiv gestalten

- „Gerade in der Diaspora gibt es erstaunliche Neuaufbrüche.“ Matthias Micheel bei seinem Eröffnungsvortrag.
Bestwig. „Wo scheinbar nichts mehr geht, geht es los“, hat Schwester Margareta Kühn erfahren. Sie ist Geschäftsführerin des Jugendprojektes Manege in Berlin-Marzahn und berichtete beim Missionarischen Forum im Bergkloster Bestwig über ihre Erfahrungen der Kirche in der Diaspora. Wege, die die Kirche gehen muss, wie auch Matthias Micheel vom Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken berichtete: „Und dabei muss sie vor allem ihre Sprache und Ausdrucksfähigkeit zurückgewinnen, die ihr immer mehr verloren geht.“
Dass es dafür keine universelle Sprache, sondern zunehmend individuellere Antworten gibt, wurde bei der Veranstaltung deutlich. In Marzahn liegt der Anteil der Christen beispielsweise nur noch bei vier Prozent, weiß Sr. Margareta: „Die wenigsten der Jugendlichen, die uns besuchen, sind vorher mit Kirche in Berührung gekommen. Für uns ist es schon ein riesiger Erfolg, wenn sie uns zutrauen, dass wir mit ihnen einen Weg gestalten können.“ Dabei sei die persönliche Beziehung ausschlaggebend: „Im Jobcenter sind diese Jugendlichen nur noch eine Nummer. Wir aber sprechen alle mit Namen an.“
Ähnliche Erfahrungen macht Schwester Klara Maria Breuer in der Straßenpastoral in Münster: „Es gibt viele Gespräche mit Obdachlosen, die mir lange nachgehen. Und ich denke, dass solche Begegnungen fast nie Zufall, sondern vielmehr Fügung sind.“
Die Generaloberin der Schwestern der heiligen Maria Magdalena Postel, Schwester Aloisia Höing, freut sich, dass Ordensfrauen aus ihrer Gemeinschaft in diesen Feldern tätig sind und wichtige Erfahrungen sammeln: „Wenn unsere Gründerin das heute sähe, würde sie sagen: Sie haben verstanden. Auch sie hat sich ganzheitlich der Probleme junger Menschen angenommen.“
Das Missionarische Forum, das die Missionszentrale SMMP in Kooperation mit der Bergkloster Stiftung SMMP ausrichtet, will diese Erfahrungen diskutieren und weitergeben. Matthias Micheel, der die Situation der christlichen Minderheiten als Referatsleiter für missionarische und diakonische Pastoral beim Bonifatiuswerk gut kennt, sieht die Ordensgemeinschaften in der Gestaltung neuer pastoraler Wege in einer Vorreiterrolle: „Wir stehen am Abbruch einer christlichen Hochkultur. Doch gerade in der Diaspora habe ich erstaunliche Initiativen und Neuaufbrüche kennengelernt. Die werden oft von Ordensleuten begleitet.“ Wichtig sei es, dabei zu einem personalen Gottesverständnis zu kommen.
Schwester Margareta ist dafür ein sehr lebendiges Beispiel. Sie sagt: „Bei uns beweist sich jeden Tag: Der Weg zu den Menschen ist hier und jetzt. Die, die da sind, sind immer die Richtigen. Da gibt es keine Beratungsschilder, denen irgendwer folgt.“ Umso trauriger, wenn die kirchlichen Strukturen darauf allzu oft noch gar nicht vorbereitet seien. „Da hatten wir einen Erwachsenen, der getauft werden wollte, aber der letzte Vorbereitungskurs beim Erzbistum war gerade erst zu Ende“, berichtete Schwester Ruth Stengel, die als Gemeindereferentin im Pastoralverbund Ruhr-Valmetal und Kirchspiel Calle tätig ist.
Pastor Hans-Jürgen Kötemann aus Meschede bestätigte, dass man sich von bisherigen Strukturen immer stärker lösen müsse: „Aufsuchende Pastoral: Das sind für einen Pfarrer heute vor allem noch Gespräche vor Taufen und Hochzeiten oder Kondolenzbesuche. Andere Aufgaben – wie Krankenbesuche – müssen zunehmend Laien übernehmen.“ Diesen Weg gelte es positiv zu gestalten.






