Gedanken zum Evangelium
Mutter und Kind sind eins
„Niemand sonst hätte sie so verstehen können wie sie einander“, schreibt die Bielefelder Gemeindereferentin Eva-Maria Nolte über die Begegnung von Maria und Elisabet. Beide vereine die Gewissheit einer ganz unverhofften Schwangerschaft.
von Eva-Maria Nolte
Welcher Text könnte adventlicher sein als der von der Begegnung zweier Frauen, die in großer Vorfreude die Geburt, die Ankunft ihrer Kinder in dieser Welt, erwarten. Schauen wir zunächst auf das, was diese beiden Schwangeren bewegt haben mag. Das Geschehen einmal aus den unterschiedlichen Blickwinkeln der Natur, des Zwischenmenschlichen und des Glaubens zu betrachten, möchte ich anregen:
Eben erst hatte Maria auf außergewöhnlichste Weise von ihrer Schwangerschaft erfahren. Wenn heute eher der Ultraschall der werdenden Mutter Gewissheit verschafft, so war es damals der Engel, der ihr die Botschaft brachte und der sie damals genauso wie uns heute wohl vor eines der größten medizinischen Rätsel stellte. Wie konnte in ihr ein Kind werden, obwohl sie keinen Mann „erkannte“? Dennoch in Gewissheit und guter Hoffnung machte sich Maria schon bald auf den Weg zu ihrer Verwandten, welche ebenfalls schwanger war, bereits im 6. Monat, wie der Engel ihr berichtet hatte.
Als Maria ankam und Elisabet ihren Gruß hörte, so lesen wir im Evangelium des Sonntags, hüpfte der kleine Johannes im Bauch seiner Mutter. Wohl bewusst schreibt Lukas hier nicht, dass er sich bewegte, als Maria grüßte, sondern als Elisabet den Gruß hörte. Obwohl dies wohl zeitgleich anzunehmen ist, sehen wir, dass Lukas die Bewegung des Kleinen als Reaktion auf das Empfinden der Mutter verstanden haben will. Mutter und Kind sind ganz eins. Elisabet wiederum spürt die Freude durch und durch und wird vom Heiligen Geist erfüllt, sodass sie in aller Freiheit die jüngere Maria selig preisen kann.
Schauen wir uns das ganze Geschehen noch einmal an, auf der zwischenmenschlichen Ebene: Nach der Botschaft des Engels muss Maria die Sehnsucht verspürt haben, sich mit jemandem, mit einer anderen Frau, auszutauschen, und wer hätte näher gelegen als ihre Cousine Elisabet, welcher ebenso unerwartet wie ihr ein Kind verheißen worden war. Das musste die beiden Frauen ganz tief in ihrem Innern verbinden. Niemand sonst hätte sie so verstehen können wie sie einander. Und so verbrachten sie die Zeit zusammen, wohl bis zur Geburt des Johannes; drei Monate des gemeinsamen Fragens, Ermutigens und der „guten Hoffnung“. Was die beiden in dieser Zeit miteinander erlebt haben, vermag vermutlich kein Geburtsvorbereitungskurs zu leisten. Das war die gelebte Beziehung zweier Frauen im Advent, im Warten auf die Ankunft. Und noch mehr:
Es war ja ungewöhnlicherweise ein Engel, der Maria die Botschaft brachte, dass sie Mutter und zugleich die Mutter Gottes werden würde. Wir haben es dabei nicht nur mit einem medizinischen Rätsel, sondern vielmehr mit einem der größten Wunder zu tun, welches der Engel mit einem einfachen „denn für Gott ist nichts unmöglich“ erklärte. Maria glaubte und war fortan die adventlichste Person, die man sich vorstellen kann.
Niemand hat jemals das Werden und das Warten auf die Geburt des Heilands derart am eigenen Leibe spüren können wie Maria. Und diejenigen, die ihr nun begegneten, hatten Anteil an dieser Hoffnung und Vorfreude auf den Sohn Gottes: Elisabet, mit der sie wohl alles in den nächsten Monaten teilte und auch der kleine Johannes, der mit der ersten Begegnung eng hineingenommen war in das große Geheimnis.
Maria hat dem Engel von Anfang an geglaubt, und sie war die Erste, die, noch längst vor den Besuchern an der Krippe, zum Glück der Anbetung gelangt ist.







