Aktuelle Ausgabe
2012-20

Kommentar

Motoren statt Menschen?

von Andreas Wiedenhaus 

Kritiker reden bereits von einem Desaster für die Regierung: Die Einführung des Superbenzins E10 scheint gründlich schief zu laufen.

Ein Großteil der Autofahrer verweigert sich dem neuen Sprit aus Angst, der hohe Ethanol-Anteil könnte dem Motor schaden. Das bekannte Schwarze-Peter-Spiel ist in vollem Gange. Politiker, Mineralölkonzerne und Autokonzerne schieben sich gegenseitig die Schuld zu, den Verbraucher nicht rechtzeitig und umfassend genug informiert zu haben. Auf den eigentlichen Skandal im Zusammenhang mit der Verpflichtung der EU-Staaten, bis 2020 rund zehn Prozent Ethanol in den Kraftstoff zu mischen, hat indes Misereor-Geschäftsführer Martin Bröckelmann-Simon noch einmal hingewiesen. Durch die erhöhte Nachfrage nach dem „Agrosprit“, der aus Biomasse gewonnen wird, vermindere sich in den Entwicklungsländern die Anbaufläche für Grundnahrungsmittel immer mehr und immer schneller. Kleinbauern würden vertrieben, weil Großinvestoren mit der Biomasse hohe Renditen erzielen könnten. Statt in die Mägen der armen Bevölkerung wandert das Getreide in die Tanks der Industriestaaten. Doch all das scheint die Beteiligten hier nur am Rande zu interessieren: Die Politik hält an ihren festgesetzten Zielen fest, so umstritten sie auch sein mögen. Und der Verbraucher sorgt sich in erster Linie darum, dass dem „Lieblingskind“ der Deutschen kein technisches Ungemach droht.

Ein möglicher Motorschaden sorgt für Nachdenken, das Schicksal derjenigen, die in den Entwicklungsländern auf Grundnahrungsmittel verzichten müssen, interessiert da nur am Rande. Wenn überhaupt!

 

 


23.05.2012
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