Rund 2000 Besucher kommen zum „Tag der Kirchen“ nach Büren
Mit andächtigem Schmunzeln
Büren. Vor dem Altar in der Bürener Sakramentskapelle sitzt ein Mann auf einem Stuhl mit einem Buch in der Hand. Hinter ihm an der Wand hängen Karikaturen. „Die beste Predigt ist immer die, bei der man das Gefühl hat, nicht gemeint zu sein“, ist zu lesen.
von Andreas Götte
Bernhard Czorny liest aus dem Buch „Gesellschaft mit beschränkter Hoffnung“. Czorny vom Liturgieausschuss der Pfarrgemeinde will die Besucher der Kapelle zum Lachen bringen. Denn beim erstmalig stattfindenden Tag der Kirchen, durchgeführt vom Pastoralverbund Büren-Süd, soll die Kapelle zur „Schmunzelkirche“ werden. Vielleicht liegt es am sakralen Raum– die Besucher hören dem 82-jährigen Bürener zumeist andächtig zu. „Es läuft sehr gut, die Kapelle war schon gut besucht. Manchmal wurde herzlich gelacht“, sagt Czorny.
So wie er sind an diesem Sonntag mehr als 150 ehrenamtliche Helfer im Einsatz. 13 Kirchen in Büren und Umgebung, darunter auch so manches Kleinod wie die Kapelle des Gutes Holthausen, haben ihre Pforten geöffnet. Über die unterschiedlichsten Angebote sollen die Menschen sich mit dem Thema Kirche auseinandersetzen. So luden biblische Pflanzen zum Schmecken, Fühlen, Sehen und Hören ein, gab es eine Engelausstellung und wurde religiöses Volks- und Kindertheater gezeigt.
Christa Borghoff-Hardes und Kerstin Borghoff kommen gerade aus der Schmunzelkirche und sind neugierig auf das weitere Angebot. „Viele Kirchen sind sonst geschlossen. Ich möchte mal sehen wie sie von innen aussehen“, sagt die 41-jährige Christa. Nun wollen die beiden Frauen aus Siddinghausen noch zur St.-Michael-Kirche nach Weine fahren. Dort sei eine „Wasserkirche“ angekündigt und das sei vor allem für ihre Kinder interessant.
Ungewöhnliches spielt sich auch unter der Orgelbühne in der Pfarrkirche St. Nikolaus in Büren ab. Erzieherinnen bewegen Puppen an Stäben und unterhalten die vor ihnen sitzenden Kinder mit einem religiösen Spiel. Es geht um den heiligen Nikolaus, den Patron der Kirche. „Es läuft gut, wir hatten bereits 100 Kinder in nur einer Stunde in der Kirche“, sagt Gemeindereferentin Karin Krohn und macht ein zufriedenes Gesicht.
In der nur wenige Schritte entfernten Bürener Jesuitenkirche geht es dagegen recht beschaulich zu. Einige Besucher schauen sich den Kirchenraum an. Das Angebot der Katholischen Landjugendbewegung (KLJB) der Ortsgruppe Büren besteht aus einem Banner mit vielen Fotos und Informationen zur Gruppe. Jugendliche können auf einem Plakat schreiben oder malen, was ihnen zum Thema Kirche einfällt. Doch kaum jemand macht Gebrauch davon. „Ein paar Erwachsene haben für ihre Kinder nach unseren Angeboten gefragt“, sagt Rebecca Kahler aus Büren. „Ich finde es schon schade, dass die Jugendlichen nicht hereinkommen“, sagt Carolin Menke.
Im Wechsel mit der KLJB können bei den Messdienern Messgewänder oder Utensilien für die Messe angeschaut werden. Derweil zünden die beiden Wewelsburger Jungen Jan und Frank Heber Kerzen an. Die Mutter der beiden, Gabriele Heber, muss sich erst noch ein Bild vom Tag der Kirchen machen. „Ich arbeite in einem Bürener Kindergarten. Dort wurde viel Werbung dafür gemacht“, sagt sie. Sie sei schon ganz gespannt, was die Aktiven auf die Beine gestellt haben“, sagt die 39-Jährige.
Nach vier Stunden Aktion in den 13 Kirchen und Kapellen war die Jesuitenkirche gut gefüllt, als der „Tag der Kirchen“ mit einem ökumenischen Gottesdienst seinen Abschluss fand. Den Schlusspunkt setzte Kathrin Heinrichs aus Menden mit einem Kirchenkabarett.
Von einem „vollen Erfolg“ sprach anschließend Stefan Atorf, vom St.-Nikolaus-Liturgieausschuss, der die Vorbereitung des Tages koordiniert hatte. „Wir sind ganz begeistert von der Aktion und können uns eine Fortsetzung vorstellen.“ Wegen des enormen Arbeitsaufwandes sei das jedoch nicht jedes Jahr möglich. Mit über 2000 Besuchern sei das gesteckte Ziel erreicht worden. Der 39-jährige Diplom-Ingenieur lobt auch die gelebte Ökumene beim Tag der Kirchen. Mit der Kirche in Ringelstein und der Bürener Erlöserkirche hatten sich auch zwei evangelische Gemeinden an der Aktion beteiligt.




