Landesweit erstes Familien-Service-Center in Paderborn
Mit Wickeltisch im Rathaus
Paderborn. Angenommen, in München plant eine Familie den Umzug ins ostwestfälische Paderborn. Wie würde sie sich auf ihre neue Heimat vorbereiten? Wahrscheinlich würde sie im Internet nach Häusern oder Grundstücken suchen, nach Kindergärten und Schulen, vielleicht auch nach Konzerten oder Kochkursen, nach Krabbelgruppen oder Zeltlagern. Die Familie in München gibt es nicht, doch die Adresse, wo sie all diese Informationen finden könnte, ist jetzt da: das Familien-Service-Center. Paderborn hat als erste Kommune in Nordrhein-Westfalen eine solche Anlaufstelle für Familien eingerichtet – und das nicht nur im Internet.
von Claudia Auffenberg (kna)
Ganz real sind seit dem Weltkindertag Ende September vier Mitarbeiter der Stadtverwaltung und des Jugendamtes für Familien da. Eine davon ist Susanne Brinkmann. Seit einigen Wochen steht ihr Schreibtisch nicht mehr im Jugendamt, sondern an Paderborns prominentester Adresse, dem historischen Rathaus, dort, wo ansonsten der Stadtrat tagt und der Bürgermeister Gäste empfängt. „Wir wollten an einen zentralen Ort, der gut erreichbar ist“, sagt Brinkmann.
Konzipiert wurde das neue Servicecenter für jene fiktive Familie aus München. „Wir haben uns ganz praktisch gefragt: Wonach würde eine auswärtige Familie suchen?“ Schließlich sollte das Center alltagstauglich sein. Apropos: Seit kurzem steht in der Behindertentoilette des Rathauses im Erdgeschoss ein Wickeltisch. „Dafür haben wir uns stark gemacht“, sagt Brinkmann und das Blitzen in ihren Augen lässt ahnen, dass diese Idee manchen in der Stadtverwaltung überrascht hat. „Windeln haben wir natürlich auch da.“
Auf die Idee, ein Familien-Service-Center einzurichten, waren die Paderborner durch das „Bündnis für Familie“ gekommen, eine Initiative des Bundesfamilienministeriums. Seit November 2005 gibt es an der Pader einen solchen Zusammenschluss. In dessen Auftrag nahmen verschiedene Arbeitsgruppen die Stadt in Sachen Familienfreundlichkeit unter die Lupe: Was hat Paderborn Familien zu bieten in Sachen Sport, Kultur und Bildung? Beteiligt waren etwa die katholische Familienbildungsstätte, die Sportjugend oder der Spar- und Bauverein. Das Ergebnis: Die Angebote sind gut, aber kaum zu finden. Deswegen müsse die erste Maßnahme sein, Informationen zu sammeln und gebündelt darzustellen, befand das Bündnis.
Eine Familienberatungsstelle im engeren Sinne ist das Center nicht. Doch wer mit Problemen kommt, wird nicht abgewiesen. „Zum einen haben wir alle Infos hier und können zum Beispiel an die Schuldnerberatung der Diakonie oder an die Suchtberatung der Caritas weitervermitteln“, so Brinkman. Zum anderen seien auch die Mitarbeiter des Jugendamtes in der Lage, mehr zu tun als eine Telefonnummer weitergeben.
Derzeit sind die vier Berater vor allem dabei, ihre neue Stelle bekannt zu machen. Der Internetauftritt wird ständig erweitert. Bald sollen Familien die Angebote verschiedener Anbieter nach Terminen und Themen sortiert finden können. Im Februar tritt das Center erstmals öffentlich auf und stellt dabei das Ferienprogramm der Stadt vor. Schon jetzt liegen Programme der Stadthalle, diverser Vereine und Beratungsstellen aus. Auch Stadtpläne aus der gegenüberliegenden Stadtinformation hat sich Brinkmann besorgt – für Touristen, die öfter hereinkommen. Und dann ist da noch ein Klientel, mit dem sie gar nicht gerechnet hatte: „Es kommen viele Wandergesellen zu uns ins Rathaus, die einen Stempel vom Bürgermeister haben möchten.“ So ist das, wenn die Devise lautet: „Unsere Tür muss offen stehen.“






