Aktuelle Ausgabe
2012-20

Kommentar

Mit Tempo 120 über das Ziel

Mit einer gemeinsamen Erklärung hat das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) jetzt konkrete Maßnahmen zum Klimaschutz gefordert. Unter anderem sind das Höchsttempo 120 sowie ein Ausstieg aus der Kernkraft. 


Christian Schlichter (45) ist Chefredakteur des DOM

Bewahrung der Schöpfung. Das ist das Schlagwort der 70er und 80er, das noch viele Christen miteinander verband. Doch seitdem ist es recht ruhig geworden. Allein Eine Welt Kreise machen vielerorts noch auf das Thema in den Gemeinden aufmerksam. Da ist es gut, wenn das Zentralkomitee der Katholiken dieses Thema unter dem Decknamen Klimaschutz wieder aus der Versenkung holt.
Bei der Forderung nach einem Emissionshandel, bei Appellen an Gesellschaft, Politik sowie jeden Einzelnen mag das ZdK auf dem rechten Weg sein. Wo es jedoch konkret wird, scheiden sich die Geister. Dort geht es auch um die Frage nach dem Mandat.
Die Forderung nach Tempo 120 und ebenso die Ablehnung längerer Laufzeiten für Atomkraftwerke sind so konkret, dass sie über das ZdK weit hinausgehen. An der Stelle beginnt das Gremium zu polarisieren. Wer nicht bei Tempo 120 mitziehen will (oder die von der evangelischen Kirche favorisierten 130 Stundenkilometer bevorzugt?), der wird nicht nur diese Klimamaßnahme ablehnen. Er wird auch die Legitimation des ZdK hinterfragen. Auch wer die Kernenergie anders bewertet, wird stirnrunzelnd anfragen, wer denn das ZdK sei, welche Kompetenz und welchen Auftrag es habe.
Wenn ein Kirchengremium so über das Ziel hinausschießt läuft es Gefahr, der offenen Ablehnung. Oder sich lächerlich zu machen. Beides nützt dem Klima gar nichts.


23.05.2012
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