Aktuelle Ausgabe
2012-20

Vikar nutzt professionelle Hilfe für Jugendarbeit

Mit Marketing der Jugend auf der Spur

Vikar Thomas Bensmann (l.) und Mike Woelke nutzten gute Kontakte zu einer Marketingfirma für eine Umfrage unter Jugendlichen.Foto: Beyel

Paderborn (jon). Immer weniger Kinder sind heutzutage nach Meinung von Thomas Bensmann bereit, ihre Freizeit mit der Kirche zu verbringen. Der Vikar der St.-Bonifatius-Gemeinde in Paderborn kam deshalb gemeinsam mit den Jugendleitern auf die Idee, einen Fragebogen erstellen zu lassen. Dieser soll die Wünsche und Bedürfnisse der Jugendlichen ermitteln. „Wir wollen die Jugendarbeit attraktiver machen“, erläutert der Dekanatsjugendseelsorger.

von Carolin Beyel

Die Paderborner Gemeinde mit 5921 Mitgliedern biete jährlich ein großes Angebot an Veranstaltungen für Jugendliche und Kinder, so der Vikar. Unter anderem ein Zeltlager mit bis zu 100 Teilnehmern, Videoabende mit bis zu 35 Teilnehmern sowie Aktionen wie Nachtwanderungen, Spieleabenden, Bastelstunden, Fußballturnieren oder Schlittschuhlaufen. Die Heranwachsenden würden sich zudem bei Pfarrfesten, dem Osterfeuer und beim Muttertagsfrühstück einbringen.
Doch ab nächstem Jahr soll das Programm in der Paderborner Bonifatiusgemeinde noch mehr den speziellen Wünschen der Jugendlichen angepasst werden. Also entschied die Jugendleitung, die jungen Menschen einfach selbst zu fragen.
Um wirklich zielgruppenorientierte Ergebnisse zu erreichen, schlug Mike Woelke, ein ehemaliger Jugendgruppenleiter, vor, professionelle Hilfe dafür in Anspruch zu nehmen. Seine privaten Kontakte zu einer Marketingfirma nutzten dem Vorhaben. Das Unternehmen wurde beauftragt einen Fragebogen zu erstellen. „Da ich die Mitarbeiter persönlich kenne, konnten die Kosten minimal gehalten werden“, erklärt der 32-Jährige.
Ausgeteilt wurden etwa 200 Fragebögen im Kommunion- und Firmunterricht, sowie im Ferienlager und an umliegenden Schulen. Kinder und Jugendliche konnten darin angeben, wie sie die bisherige Jugendarbeit fanden, wann sie genau Zeit haben und welchen Aktivitäten sie am liebsten nachgehen möchten. Die Fragebögen liegen jetzt vor. Nun geht es an die Auswertung, aus der dann Schlüsse für das Angebot des nächsten Jahres gezogen werden. „Die Kirche soll für die jungen Menschen ein Ort sein, an dem sie ernst genommen werden“, begründet Bensmann die Aktion. Dass die Kirche für die Jugend ein offenes Haus ist, in dem sie sich wohl fühlen, wünscht sich der Vikar: „Sie sollen positive Erfahrungen mit der Kirche machen und gleichzeitig soziales Engagement lernen.“
Neun Jugendliche haben sich bereit erklärt, Aktionen und Angebote verantwortlich zu leiten. Dafür nehmen sie einiges an Vorbereitung auf sich: einen zwölfteiligen Ausbildungskurs, der mit einem Bewerbungswochenende in Meschede begonnen hat. „Die Jugendlichen sollen erkennen, dass es nichts zum Nulltarif gibt“, so der Vikar. Sie müssten die Bereitschaft mitbringen, einen großen Teil ihrer Freizeit in die Jugendarbeit zu investieren. Dafür bekämen sie ein Zertifikat über die geleisteten Stunden, das bei Bewerbungen durchaus hilfreich sein kann.


23.05.2012
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