Aktuelle Ausgabe
2012-20

Ein Kletter-Tag für Paare, die sich trauen

Mit Dir im siebten Himmel

Sportlich-spielerisch können Verliebte als Vorbereitung auf die kirchliche Trauung miteinander in einem Hochseilgarten  in Iserlohn Grenzen erfahren – sich fallen lassen. Der Balance-Akt auf dünnem Seil wird zum Sinnbild für das Sakrament der Ehe.

Von Kerstin Kotterba (KNA) 

Die Gesichtszüge entspannen sich, und er lächelt. Als seine Füße wieder festen Boden unter sich spüren, seufzt Stefan Spanke erleichtert. Dann schaut er zu seiner Steffi, die immer noch das Sicherungsseil mit beiden Händen fest umschlossen hält. Erst jetzt kann seine Anspannung abfallen. „Ich brauche erst mal einen Kuss“, sagt Stefan erleichtert und nimmt seine Freundin in die Arme.

Wenige Momente zuvor balancierte der Rheinländer noch in acht Metern Höhe auf einem dünnen Drahtseil – seine Verlobte stand im Sicherungsteam in der ersten Reihe und musste ihn motivieren. Stefan leidet unter Höhenangst. „Der Kurs war ganz wichtig für uns, ich konnte ihm einfach zeigen, dass er sich auf mich verlassen kann und er keine Angst haben muss“, resümiert Steffi nach der Übung. „Und ich hatte immer das Gefühl, ich werde gehalten“, erzählt Stefan. Die beiden wollen im Sommer kirchlich heiraten. Und haben sich als besonders Highlight zwischen den vielen Hochzeitsvorbereitungen ein Wochenende Auszeit genommen. Im Hochseilgarten wollten sie sich noch einmal auf die eigene Beziehung besinnen.

Martin Bartsch vom Referat für Ehepastoral im Erzbistum Köln bespricht mit den vier teilnehmenden Paaren den Tag und beobachtet die Kletter-Aktion und das Verhalten der Ehewilligen untereinander und in der Gruppe. Er führt gemeinsam mit dem Hochseilgarten-Trainer Alexander Linke durch den Tag im Kletterpark Iserlohn. Teilnehmen kann jeder, der in einer katholischen Kirche heiraten möchte. „Bei solchen Übungen wird klar: Manche Paare sind eher still, manchmal braucht auch nur ein Partner eine besondere Motivation“, erzählt der Pastoralreferent.

Susanne Ruhl und Slawomir Gleboczyk sind bereits nahezu mühelos über das Seil gelaufen. Das sportliche Paar suchte bei dem Kletterkurs die gemeinsame körperliche Herausforderung und meisterte sie mit Bravour. Nur ein paar Sekunden, dann hatten sie wieder festen Boden unter den Füßen. „Es ist ein wirklich gutes Gefühl, es geschafft zu haben. Und ich wusste ja, dass Slawo mich hält“, sagt Susanne. „Wir finden es super, dass die katholische Kirche so einen Kurs anbietet. Das passt mehr zu uns als ein strenger Ehevorbereitungskurs“, meint sie.

„Bist du bereit?“, fragt An-dreas Bong seine Freundin. Mara Terzoli schaut ihren Freund vertrauensvoll an: „Ja, das bin ich“. Dann klettert sie langsam den Baumstamm hoch, um zu dem Seil zu gelangen, auf dem sie nun balancieren soll. Die Hände krallen sich an die Verbindungsseile zwischen den beiden Baumstämmen, der erste Fuß tritt vorsichtig auf die fest gespannte Drahtverbindung. Mara zögert.

„Du schaffst es, Maus“, ruft Andreas seiner Freundin zu, die in acht Metern Höhe versucht, mit ihren Fingerspitzen das nächste Halteseil zu erreichen. Am 9. Juli wollen sie in Südtirol heiraten – „das hat für uns eine große Bedeutung“, erzählt Andreas Bong. Immer noch steht Mara auf dem Drahtseil, die Beine fangen an zu zittern. „Ich kann das nicht, ich komm runter“, scheint die Frau etwas verzweifelt. „Ich weiß, dass du das kannst, du musst einfach nur einen Schritt machen“, ermutigt Andreas seine Freundin. Die 31-Jährige atmet tief durch und schafft es mit einem großen Satz zum letzten Haltepunkt. Ihr Freund jubelt ihr zu. Erst dann lässt sie sich langsam in den Tragegurt sinken und vom Sicherungsteam zum Boden führen.

Renate und Patrick Terlisten haben schon im vergangenen Winter standesamtlich geheiratet, im Juni wollen sie das Sakrament der Ehe in der Kirche empfangen. „Das war mir ganz besonders wichtig, dass wir kirchlich getraut werden“, sagt Renate. Der Glaube gebe ihr Halt im Leben – und das nicht nur beim Klettern, erzählt die 30-Jährige weiter. Bevor er seine Frau kennenlernte, hatte Patrick kaum etwas mit der Kirche zu tun. Nun will das junge Paar auch noch den Ehevorbereitungskurs beim Pastor machen. „Doppelt hält besser“, schmunzelt Renate und küsst ihren Mann.


23.05.2012
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