Wenn der Prozession die Ministranten fehlen
Messdiener zu verleihen
Rüthen. Eine Prozession mit nur vier Messdienern? Eigentlich unvorstellbar. Doch im alten Kirchspiel Altenrüthen und seinen Gemeinden drohte genau das Realität zu werden. Bis die Messdienerleiter und Pastor Dieter Moors auf eine ungewöhnliche Idee kamen: Die Gemeinden leihen sich ihre Messdiener gegenseitig aus.
von Birger Berbüsse
Nächsten Sonntag ist es wieder so weit. Wenn am 26. Juli in Kellinghausen die Prozession zu Maria Magdalena durch die Straßen zieht, wird mindestens die Hälfte der Ministranten aus den benachbarten Orten Menzel oder Altenrüthen kommen. Ohne sie könnte Pastor Moors gerade einmal die wichtigsten Posten wie Weihrauch, Schellen und das Kreuz besetzen. Weswegen er sich natürlich sehr über die gefundene Lösung freut, so ungewöhnlich sie auch ist.
„Aber wir müssen der Realität einfach ins Auge sehen“, sagt der Geistliche. Zu dieser Einsicht kamen vor gut drei Jahren auch die Messdienerleiter der Gemeinden Menzel, Altenrüthen und Kellinghausen. „Wir bekamen für die Prozessionen einfach nicht mehr genug Messdiener zusammen“, erinnert sich Werner Oel-Lammert aus Menzel. Auch wenn seinem Ort auf dem Papier noch zwölf Mädchen und Jungen zur Verfügung stehen, so seien einige doch immer wegen Urlaub, Fußball oder Krankheit verhindert. „Da müssen jedesmal Schellen oder Fahnen in der Sakristei stehen bleiben, und das sieht einfach nicht so feierlich aus wie es sollte“, bedauert der 41-Jährige.
Deshalb reifte die Idee eines Tausches, zunächst zwischen Menzel und Altenrüthen. Jedes der Dörfer im alten Kirchspiel hat eine Prozession im Jahr, sodass die Maßnahme überschaubar bleibt. Erfolgreich ist sie auf jeden Fall. Dadurch, dass Menzel vier Ministranten nach Altenrüthen entsandte und ebensoviele zurück bekam, konnten die Prozessionen endlich wieder im gebührenden Rahmen durch die Orte ziehen. Die Reaktionen seien durchweg positiv ausgefallen, berichtet Oel-Lammert. „Auch wenn manch einer die auswärtigen Messdiener als Gastarbeiter bezeichnet“, sagt er schmunzelnd.
Im vergangenen Jahr kam auf Bestreben von Pastor Moors auch Altenrüthen dazu. „Da haben wir zwar auch zwölf Messdiener, aber die Hälfte von ihnen geht als Musiker im Spielmannszug mit“, schildert er die Situation. Durch die Unterstützung der Nachbargemeinden konnte dieser Zustand nun geändert werden.
Das Rüthener Modell sehen Pastor und Messdienerleiter als zukunftsweisend an. Immerhin läuft es bereits im dritten Jahr. „Und wenn wir das mit den Prozessionen so beibehalten wollen, bleibt uns auch gar nichts anderes übrig“, glaubt Oel-Lammert.







