Aktuelle Ausgabe
2008_34

Kommentar

Noch 'nen Versuch

Der sogenannte Mittelmeergipfel am vergangenen Wochenende in Paris musste als Vehikel für einen denkwürdigen Handschlag herhalten: Palästinenserpräsident Mahmud Abbas und Israels Premier Ehud Olmert reichten sich die Hände. Beobachter sprachen von einem neuen Anlauf.

Den meisten Mitteleuropäern ist die orientalische Gewohnheit des Feilschens auf dem Basar wenigstens von Berichten her geläufig. Da gilt nicht Wahrheit und Erfolg, da gilt das Durchsetzen der eigenen Interessen und der eigene Vorteil. Einen ähnlichen Eindruck machen auch die schon seit Jahrzehnten andauernden Friedensbemühungen in der politischen Wetterecke um Israel und die Araber. Schon der Ägypter Anwar als Sadad und der Israeli Menachim Begin erhielten für ihren Friedensschluss vor 30 Jahren den Nobelpreis.
Für ihre Friedensbemühungen wurde der Palästinenserchef Jassir Arafat und die Israelis Schimon Peres und Jitzhak Rabin mit dem gleichen Preis ausgezeichnet. Auch der ehemalige deutsche Außenminister Joschka Fischer ist schon mit viel Lob verbunden diesbezüglich tätig geworden.
Doch trotz der immer wieder theatralischen Auftritt der Kontrahenten, bei denen sich die Vermittler nicht weniger im Scheinwerferlicht sonnen können, hat sich nichts wesentlich geändert. Kaum dass der Schweiß des Händedrucks und die Tinte unter eventuellen Verträgen getrocknet ist, schnallt sich schon der nächste Selbstmordattentäter seine Bombe um. Worte und Gesten zählen im Orient scheinbar nur etwas, wenn sie sich an die eigene Sippe richten. Der Satz: „Solange sie verhandeln schießen sie nicht“ lässt sich auf diese unendliche Geschichte nicht anwenden. Dennoch wird eine nachhaltige Besserung der Verhältnisse nur am Verhandlungstisch erreicht. Und der erste Schritt dazu ist, dass sich die Kontrahenten überhaupt begegnen.
Gerd Vieler (51) ist Chef vom Dienst des DOM.


28.08.2008
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