Aktuelle Ausgabe
2012-20

Kommentar

Armes Deutschland

von Matthias Nückel

Der erste Kanzler der Bundesrepublik, Konrad Adenauer, sagte einmal: „Kinder kriegen die Leute immer.“ Dieser Grundsatz gilt heute nicht mehr. Die Deutschen bekommen immer weniger Kinder.

Nach einer in der vergangenen Woche veröffentlichten Untersuchung des Statistischen Bundesamtes ist Deutschland sogar das kinderärmste Land in Europa. In den letzten zehn Jahren ist die Zahl der Kinder hierzulande um 2,1 Millionen gesunken.

Schnell wird der Ruf nach mehr Geld für die Familien wieder laut. Doch Geld allein löst die Probleme nicht. Der Staat hat in den letzten Jahren schon viel für die Familien getan. Das Erziehungsgeld wurde eingeführt und vom Elterngeld abgelöst. Das Kindergeld wurde erhöht und die Kinderbetreuung ausgebaut. Sicher könnte der Staat noch mehr tun. Das Grundproblem ist jedoch ein anderes.

Das ganze Umfeld für Kinder stimmt nicht mehr. Der „natürliche“ Geburtenrückgang – bedingt dadurch, dass jetzt geburtenschwache Jahrgänge Eltern werden könnten – wird durch eine Kinderunfreundlichkeit verschärft. So werden Frauen und Männer nicht mehr in erster Linie als potenzielle Familiengründer gesehen, sondern als Arbeitskräfte. Angesichts des drohenden Fachkräftemangels ringen Unternehmen um jede Kraft. Zudem gibt es viele kinderunfreundliche Gerichtsurteile, etwa wenn es um „Lärm“ oder die Lage von Kindergärten geht. Die Liste ließe sich beliebig verlängern.

Eine Patentlösung, wie die Deutschen wieder mehr „Lust auf Kinder“ bekommen können, gibt es leider nicht. Vielleicht wendet sich das Blatt erst dann, wenn die Menschen merken, dass ein Land ohne Kinder nicht nur wirtschaftlich, sondern vor allem auch emotional verarmt.


23.05.2012
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