Aktuelle Ausgabe
2012-20

Kommentar

Abschotten ist keine Lösung

von Andreas Wiedenhaus 

Die demokratischen Umwälzungen in den Staaten Nord-afrikas bescheren Europa derzeit eine neue Flüchtlingswelle: Tausende Tunesier sind in den vergangenen Tagen auf der italienischen Insel Lampedusa gelandet. Viele weitere werden ihnen folgen.

Während der vatikanische Migrantenrat den EU-Staaten in diesem Zusammenhang mangelnde Vorbereitung vorwarf und weitere Kirchenvertreter dafür eintraten, sich um eine humane Lösung im Sinne aller Beteiligten einzusetzen, plädiert die Deutsche Polizeigewerkschaft für eine Abschottung Europas speziell im Bereich des Mittelmeeres.

Der Flüchtlingsstrom lasse sich nur stoppen, wenn Europa „zur Festung“ ausgebaut werde, sagte Gewerkschafts-Chef Rainer Wendt in einem Zeitungsinterview. In diesem Zusammenhang müsse beispielsweise die Grenzschutzagentur Frontex auf 2500 Beamte ausgebaut werden. Wendt meint, das „Megaproblem“ nur so lösen zu können.

Dass der Flüchtlingsstrom eingedämmt und reguliert werden muss, steht außer Frage, ob solch eine „Festung“ aber der richtige Weg ist, scheint mehr als fraglich. Kaum ein Flüchtling wird sich davon abhalten lassen. Mit dem Ergebnis, dass die Zahl derjenigen, die das Wagnis mit dem Leben bezahlen, wieder ansteigen wird.

Hinzu kommt die Tatsache, dass Europa sich durch solches Handeln selbst in seiner Glaub-würdigkeit arg beschädigen würde: Wer auf der einen Seite aus wirtschaftlichen Gründen für offene Grenzen plädiert, handelt kurzsichtig, wenn er auf der anderen Seite eine solch rigide Abschottungspolitik favorisiert – zumal dann, wenn sie Menschenleben kostet.

 

 


23.05.2012
Impressum | Kontakt
4002