Aktuelle Ausgabe
2012-5

Kommentar

Bürgerkrieg im Irak?

von Andreas Wiedenhaus 

Der Einsatz ist vorbei: Nach sieben Jahren ist der Abzug der US-Truppen aus dem Irak in vollem Gange. Die Kampftruppen haben das Land gerade verlassen, bis Ende kommenden Jahres sollen auch die derzeit noch rund verbliebenen 50000 US-Militärs – Berater und Ausbilder – wieder in die Heimat zurückkehren. Für die Soldaten selbst und ihre Familien eine gute Nachricht.

Doch die Amerikaner ziehen sich in einem Moment zurück, der politisch alles andere als günstig zu sein scheint. Denn sie verlassen ein Land, das faktisch keine Regierung hat. Fünf Monate nach den Parlamentswahlen laufen die Koalitionsverhandlungen ein ums andere Mal ins Leere. Ursprünglich wollten die Amerikaner den Irak in einigermaßen geordneten politischen Verhältnissen zurücklassen. Jetzt wirkt der Abzug ein wenig wie eine „Rette-sich-wer-kann“-Aktion. Schon warnen Experten vor einem Comeback von El-Kaida. Tatsache ist, dass die Terroristen die Wochen rund um den US-Abzug mit den blutigsten Anschlägen seit langem begleitet haben.

Ein Appell wie der des chaldäischen Weihbischofs Shlemon Warduni aus Bagdad, dass die ausländischen Kampfeinheiten die Pflicht hätten, „Frieden und Sicherheit“ zurückzulassen, wird wohl kaum Gehör finden. Sein Aufruf an die Amerikaner, sich langfristig für den Aufbau der Demokratie einzusetzen, dürfte ebenso ungehört verhallen. Stattdessen droht ein Bürgerkrieg. Selbst westlich orientierte Iraker werden sich angesichts dieser Verhältnisse die kritische Frage stellen, was die Amerikaner für das Land erreicht haben. Eine positive Antwort dürfte schwerfallen.

 

 


05.02.2012
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