Kommentar
Jugend ohne Zukunft
von Andreas Wiedenhaus
Deutschland atmet auf. Die neuesten Konjunkturdaten geben nach Expertenmeinung Grund zum Optimismus: Die Krise scheint nicht nur überwunden, es ist bereits wieder von einem echten „Aufschwung“ die Rede. Allerdings hat uns die Vergangenheit gelehrt, dass wirtschaftlicher Auf- und Abschwung immer schneller aufeinander folgen. Wie lange wird es also bis zur nächsten Krise dauern?
Wobei selbst solch ein pessimistischer Blick angesichts der gerade von der Internationalen Arbeitsorganisation ILO in Genf veröffentlichten Zahlen die wirklich drängenden Probleme außer Acht lässt: Die ILO schätzt, dass aufgrund der globalen Krise derzeit weltweit über 80 Millionen junge Menschen ohne Arbeit sind. Die Genfer sprechen bereits von einer „verlorenen Generation“. Viele von ihnen hätten kaum noch eine Chance, auf dem Arbeitsmarkt überhaupt noch Fuß zu fassen. Sie müssen bereits als 18- oder 20-Jährige alle Hoffnung auf ein „anständiges“ Leben begraben. Dagegen ist die „Generation Praktikum“, von der in Deutschland immer wieder die Rede ist, absolut privilegiert. Ohne deren unbefriedigenden Status schönreden zu wollen.
Die Wirtschaftskrise hat die Entwicklungs- und Schwellenländer am härtesten getroffen. Die negativen Folgen dort dürften aber auch die Industriestaaten über kurz oder lang zu spüren bekommen, wenn sie nicht gegensteuern. Etwa weil die Flüchtlingsströme Richtung Europa auf jeden Fall weiter zunehmen werden. Dass Globalisierung nicht nur weltweite Gewinne, sondern auch weltweite Verantwortung bedeutet, haben viele Verantwortungsträger immer noch nicht verstanden.





