Kommentar
Wer fragt nach dem Kreuz?
von Matthias Nückel
Wieder einmal sorgt die Entscheidung, Kruzifixe aus öffentlichen Räumen zu entfernen für heftige Debatten. Diesmal geht es um das Düsseldorfer Justizgebäude. Landgerichtspräsident Heiner Blaesing will beim Umzug von Amts- und Landgericht die Kreuze nicht mitnehmen.
Blaesing beruft sich auf das Kruzifix-Urteil des Bundesverfassungsgerichtes. Und er meint, das Kreuz sei kein Möbelstück, das man beliebig auf und abhängen könne.
Die Kirchen sowie die Landesregierung und die CDU kritisieren die Entscheidung heftig. Vor „Selbstsäkularisierung“ warnt der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider. Doch diese Säkularisierung hat in nordrhein-westfälischen Gerichten längst stattgefunden. Nur noch in 50 bis 60 der etwa 1 300 Gerichtssäle an Rhein und Ruhr hängt ein Kruzifix. Mehr als 1200 Kreuze sind folglich mehr oder weniger unbemerkt verschwunden.
Diese klammheimliche Entfernung des Kreuzes aus der Öffentlichkeit kann nur funktionieren, weil Christen sich nicht mehr darüber aufregen, wenn ihr zentrales Glaubenssymbol aus der Öffentlichkeit zurückgedrängt wird. Das Schwinden des Christentums in diesem Land liegt nicht daran, dass „böse“ Richter das Kreuz aus Justizsälen entfernen oder Lehrer und Eltern gegen Kruzifixe in Schulen klagen.
Die christlichen Symbole verschwinden aus der Öffentlichkeit, weil immer weniger Christen bereit sind, für das Kreuz öffentlich einzustehen. Welcher Christ fragt etwa nach dem Kruzifix, wenn er einen Gerichtssaal in Nord-rhein-Westfalen betritt?



