Aktuelle Ausgabe
2010-11

Kommentar

Toleranz hat Grenzen

Wie zuvor auch schon in anderen Ländern hat die traditio-nalistische Pius-Bruderschaft am vergangenen Wochenende gegen geltendes Kirchenrecht in ihrem Haus in Zaitzkofen bei Regensburg erneut die Priesterweihe gespendet. 

Gerd Vieler (52) ist Chef vom Dienst des DOM

Wer zu einer Gemeinschaft gehören möchte, muss sich auch an deren Regeln halten. Ein Ausscheren aus dem Regelwerk ist für die Gemeinschaft nur bis zu bestimmten Grenzen zu tolerieren. Die Piusbrüder haben mit ihrer „Priesterweihe“ am vergangenen Wochenende diese Grenze bei einem so zentralen Punkt wie der Priesterweihe zum wiederholten Mal deutlich überschritten.
Das kirchliche Gesetzbuch, der Codex Juris Canonici,  stellt eindeutig die Regeln auf, nach denen in der katholischen Kirche Priesterweihen zu vollziehen sind, und wer sie empfangen und spenden darf.
Um alle diese verbindlichen Regeln schert sich die Bruderschaft auch nach dem Entgegenkommen des Papstes einen feuchten Kehricht. Das ist umso ärgerlicher und unverständlicher, als es den Papst nun weiterhin in Zugzwang bringt, wenn er nicht dem Vorwurf verfallen will, auf dem rechten Auge blind zu sein.
Der Papst hat die Pius-Bischöfe, auch nach der Wiederaufnahme, ausdrücklich nicht mit einem kirchlichen Amt betraut. Daher kann das Argument der Bruderschaft, der Vatikan habe die Weihen toleriert, nicht gelten. Das alles darf bei aller Liebe zur Einheit, die den Papst leiten mögen, nicht ohne Konsequenzen bleiben.


15.03.2010
Impressum | Kontakt
1805