Kommentar
Mehr Selbstbewusstsein
SPD und FDP veranstalteten am vergangenen Wochenende Parteitage und stellten die nach ihrer Meinung besten Ideen für unser Land vor. Die Parteien sollen laut Grundgesetz die politischen Entscheidungen in die Hand nehmen und die politische Landschaft bestimmen.
Kirche und Glaube werden in Deutschland immer mehr zu einer angeblich nebensächlichen Größe. So ist es aufgrund der demografischen Entwicklung und des Glaubensrückganges oft zu hören. Das mögen viele Christen aufgrund ihrer eigenen Erfahrung so erleben. Gar nicht so nebensächlich müssen sich Katholiken aber bezüglich der Mitgliederzahlen im Verhältnis zu den die Politik bestimmenden Parteien vorkommen.
Die Gruppierungen, die laut Gesetz „dauernd oder für längere Zeit für den Bereich des Bundes oder eines Landes auf die politische Willensbildung Einfluss nehmen und an der Vertretung des Volkes im Deutschen Bundestag oder einem Landtag mitwirken wollen“, haben mitgliedermäßig im Verhältnis zu den Kirchen sehr wenig zu bieten. Haben doch alle deutschen Parteien bundesweit zusammen nur grob gerechnet 1,4 Mio. Mitglieder. Nach eigenen Angaben haben die CDU und SPD jeweils rund 530 000 Mitglieder, die CSU 168 000, die Linke 75 000, die FDP 64 000 und die Grünen 45 000. Allein im Erzbistum Paderborn leben knapp 1,7 Millionen Katholiken. In ganz Deutschland sind es etwa 25,5 Mio. Katholiken (31 Prozent der Gesamtbevölkerung). Der Einwand, dass davon ein großer Teil nur dem „Parteibuch“ nach katholisch sind, mag ebenso für Parteimitglieder zutreffen. Dennoch besuchen 3,6 Millionen Katholiken (14 Prozent im Bundesdurchschnitt, im Erzbistum Paderborn einige Prozent weniger) die wöchentlich stattfindende „Parteiversammlung“. Evangelische Mitchristen sind dabei übrigens noch gar nicht mitgerechnet. Wer wollte angesichts dieser Zahlen bei den Kirchen nicht von einer die politische Willensbildung tragenden Gruppierung sprechen?
Gerd Vieler (51) ist Chef vom Dienst des DOM






