Aktuelle Ausgabe
2012-20

Babyfenster am Rochus-Hospital in Castrop-Rauxel ist Teil eines Hilfssystems für Mütter in Not.

Letzter Ausweg in der Krise?

Hinter den Kulissen: Das von außen unscheinbare Babyfenster am Rochus-Hospital bietet im Inneren ein ausgeklügeltes Alarmsystem sowie umfangreiche Medizintechnik. Caritas-Geschäftsführerin Veronika Borghorst, Chefarzt Dr. Michael Glasmeyer und Geschäftsführer Thomas Timann würden sich allerdings freuen, wenn diese nie zum Einsatz kommen müsste. Foto: Wiedenhaus

Castrop-Rauxel. Es liegt etwas abseits in einem Seitentrakt, den Weg weist ein Logo mit einem umgedrehten Fragezeichen: Das Babyfenster im St.-Rochus-Hospital in Castrop-Rauxel ist seit kurzem in Betrieb. Mütter von Neugeborenen, die für sich keinen anderen Ausweg mehr sehen, können das Kind dort anonym ablegen. Bis zur Eröffnung war es für die Initiatoren ein weiter Weg – mit vielen Diskussionen rund um das Für und Wider.

 

von Andreas Wiedenhaus

 

„Es soll wirklich nur die letzte Option für Frauen sein, die von allen anderen Hilfsangeboten nicht erreicht werden können“, beschreibt Caritas-Geschäftsführerin Veronika Borghorst den Hintergrund der Einrichtung.

Erste Überlegungen habe es zur Jahreswende 2006/2007 gegeben, dann wurde es das Jahresthema 2007 der Caritas in Castrop-Rauxel. Dabei sei schnell klar geworden, dass solch eine Einrichtung nur dann sinnvoll sei, wenn sie von umfassenden Hilfsangeboten begleitet sei.

„Ohne ein derartiges Netzwerk halte ich die Einrichtung eines Babyfensters nicht für sinnvoll“, macht Dr. Michael Glasmeyer, der Chefarzt der Gynäkologie am Rochus-Hospital seinen Standpunkt deutlich. Das sei Voraussetzung für seine Zustimmung gewesen.

So ist das Babyfenster am Rochus-Hospital nur der von außen sichtbare Teil eines umfassenden Systems für Mütter in Not: In Kooperation mit dem Caritasverband Recklinghausen, dem SkF in Recklinghausen und Datteln sowie der Telefonseelsorge wird ab dem 1. Oktober ein Krisentelefon eingerichtet. Mütter in Not haben so die Möglichkeit, sich über Hilfe und Unterstützung zu informieren – und zwar vor und nach der Abgabe des Kindes im Babyfenster. Veronika Borghorst: „Wenn Mütter in Not alle Hilfsmöglichkeiten kennen, brauchen sie das Babyfenster möglicherweise gar nicht mehr.“

Wird ein Kleinkind dort abgelegt, gibt es einen Alarm, der das Personal benachrichtigt. Das Krankenhaus übernimmt die medizinische Erstversorgung des Kindes „wie bei jedem anderen Neugeborenen auch“, erklärt Dr. Glasmeyer. Innerhalb der nächsten 24 Stunden werden dann das Ordnungsamt und das Jugendamt verständigt.

Die Nummer des Krisentelefons ist draußen angebracht. Die abgebende Mutter findet darüber hinaus einen Umschlag mit Informationen hinter dem Fenster. Darin steht auch ein Kennwort. Dieses wird dann wichtig, wenn sich die Mutter es anders überlegt und Kontakt zum Kind bzw. Krankenhaus aufnehmen möchte. Veronika Borghorst: „Eine Mutter hat dazu acht Wochen Zeit. Danach kann das Kind von der Pflegefamilie, in deren Obhut es in der Zwischenzeit gekommen ist, adoptiert werden.“

Die Beteiligten hoffen jedoch, dass es nicht soweit kommt. Veronika Borghorst: „Wir wären nicht traurig, wenn das Fenster nicht gebraucht würde!“


23.05.2012
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