Die Oberstufenakademie gibt es jetzt auch am Berufskolleg St. Franziskus in Hamm
„Lernen schadet ja nie“
Hamm. Bruder David ist im Stress. Eine „gefühlte Ewigkeit“ stand er im Stau auf der A2, war ohnehin schon spät dran. Und der nächste Termin wartet bereits auf den Benediktinermönch. Dennoch nimmt er sich an diesem Morgen die Zeit für die Schüler des Berufskollegs und ihre Fragen. Denn Bruder David ist Leiter der Oberstufenakademie der Abtei Königsmünster in Meschede. Mit ihr arbeitet nun auch das Berufskolleg St. Franziskus in Hamm zusammen: Um die jungen Menschen über das Schulische hinaus weiterzubilden.
von Birger Berbüsse
67 Schüler der gymnasialen Oberstufe haben sich im Pfarrsaal der Franziskusgemeinde, gleich neben dem Berufskolleg versammelt. Die meisten von ihnen sind Mädchen, und sie stellen dem jugendlich gebliebenen Mönch auch den Großteil der Fragen. Geduldig erklärt der 41-jährige noch einmal ganz genau, was die Oberstufenakademie eigentlich ist und wie sie funktioniert.
Gegründet wurde sie vor über sieben Jahren in der Abtei Königsmünster in Meschede. „Mir war es wichtig, Jugendarbeit in einen Rahmen zu packen, sodass die Jugendlichen wirklich etwas mitnehmen können“, verdeutlich er noch einmal die Intention.
Die Oberstufenakademie richtet sich dabei an gymnasiale Oberstufen und Fachschulen, an denen als Abschluss das Abitur oder ein Fachabitur erreicht werden können. Schüler der fast 40 kooperierenden Schulen können während ihrer Oberstufenzeit an zusätzlichen Seminaren teilnehmen. Besuchen Sie bis zum Abitur davon sechs Stück, erhalten sie ein offizielles Zertifikat, mit dem sie sich auch bewerben können. Gegliedert sind die Seminare in drei Fachbereiche.
Der erste heißt „Forum: Intensiver leben“. Zu diesen Nachmittags- oder Abendveranstaltungen werden interessante Persönlichkeiten aus dem öffentlichen Leben eingeladen, die einfach aus ihrem Leben erzählen. So zum Beispiel Christiane Alt, die Direktorin des Gutenberg-Gymnasiums in Erfurt, an dem 2002 ein Amoklauf verübt worden war. In „Atelier: Umfassender handeln“ sollen die Schüler in die Lage versetzt werden, sich aktiv in Beruf und Gesellschaft zu beteiligen. Dazu werden unter anderem Kommunikationstraining und Zeitmanagment angeboten. Aus gewohnten Denkmuster herauszufinden ist die Absicht des dritten Fachbereichs „Diskurs: Weiter denken“. Was immer an Themen hilfreich und sinnvoll erscheint, findet dort Platz, beispielsweise „Umgang mit Sterben und Tod“ oder „Fit für die Wirtschaft“.
Solche und ähnliche Kurse werden ab diesem Schuljahr auch den Schülern des Franziskus-Berufskolleg in Hamm zur Verfügung stehen. Möglich gemacht wurde dies durch ihre Lehrerin Dr. Uta Heimann-Störmer, die während der Besinnungstage in der Mescheder Abtei auf die Oberstufenakademie aufmerksam geworden war. „Das fand ich so interessant, dass ich es unbedingt auch für unsere Schüler wollte“, erinnert sie sich. Das Blickfeld der Schüler über den schulischen Tellerrand hinaus erweitern und die Entwicklung ihrer Persönlichkeit unterstützen, das sieht sie als Hauptchance der Oberstufenakademie. Damit überzeugte sie auch ihre Kollegen und das – laut Bruder David in Deutschland einzigartige – Projekt bekam auch in Hamm grünes Licht.
67 von 100 Schülern des gymnasialen Zweigs haben sich angemeldet. Eine wirklich gute Quote, sind sich Uta Heimann-Störmer und Bruder David einig. Und die Schüler scheinen gut motiviert. Maren Franke aus der 12 bringt es auf den Punkt: „Lernen schadet ja nie.“







