Aktuelle Ausgabe
2012-20

Kommentar

Leidende Christen

von Matthias Nückel 

Verkündigung, Diakonie und Martyrium sind die Grundvollzüge der Kirche. Während die beiden ersten hierzulande eine große Rolle spielen, ist das Martyrium seit dem Ende des Nationalsozialismus in Westdeutschland und seit dem Niedergang der SED-Diktatur in Ostdeutschland kein Thema mehr. Weltweit dagegen leiden immer mehr Christen unter Unterdrückung und Verfolgung.

50 Länder führt das Hilfswerk „Open Doors“ auf, in denen Christen besonders stark unter Repressalien zu leiden haben. An der Spitze steht Nordkorea. Es ist zu befürchten, dass in der kommunistischen Diktatur auch nach dem Machtwechsel keine Besserung eintritt.

Auffallend ist, dass auf den weiteren neun Plätzen der „Rangliste der Christenverfolgung“ islamisch geprägte Staaten folgen. Allerdings muss hier stark differenziert werden. Den Schluss zu ziehen, dass „der Islam“ Christen unterdrücken würde, ist falsch.

Afghanistan etwa steht an zweiter Stelle der Länder, in denen Christen am meisten verfolgt werden. Terror und Unterdrückung findet jedoch nicht staatlicherseits statt. Vielmehr leiden Muslime oft ebenso unter Anschlägen. In Saudi Arabien dagegen werden Christen direkt vom Staat benachteiligt und verfolgt. Und das, obwohl das Land einer der engsten Verbündeten der USA ist.

Die Beispiele zeigen, dass eine einheitliche Strategie gegen die Christenverfolgung unmöglich ist. Gleichwohl muss sich die westliche Politik dieses Problems stärker annehmen. Der Schutz der Christen weltweit muss ein Grundpfeiler der Außenpolitik der Europäischen Union werden – bevor es zu spät ist.


23.05.2012
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