Aktuelle Ausgabe
2012-20

Bekannter Klostermediziner Pater Kilian Saum sprach in Siegen und Olpe

„Lebe ich, oder werde ich gelebt?“

Mit seinem Vortrag über Klosterkräuter und über das Fasten fesselte Pater Kilian Saum die Zuhörer in der Dreimann-Buchhandlung in Olpe.Foto: Eiden

Olpe (jon). Mit der „Fastenlehre der Klostermedizin als Herausforderung für Leib und Seele“ hat sich der Benediktiner und mehrfache Buchautor Pater Kilian Saum bei Vorträgen in Olpe und Siegen befasst. Auf Einladung des Katholischen Bildungswerks Siegen und der Katholischen Bildungsstätte Olpe referierte der bekannte bayerische Klostermediziner auch über den Beitrag der Klöster zum medizinischen Wissen der Menschheit.

von Julia Eiden

Pater Saum, nunmehr Pfarrer in der Gemeinde St. Peter und Paul in Oberalteich, hat schon mehrere Bücher zum Thema „Klosterheilkunde“ verfasst. 1993 hatte er nach einer zusätzlichen Ausbildung zum Heilpraktiker und Physio­therapeuten die Leitung der Pflege- und Krankenabteilung der Erzabtei der Missionsbenediktiner im Kloster St. Ottilien bei Landsberg am Lech übernommen, eine Position, die er bis 2003 innehatte.
Schon in seinen Ordensregeln habe der heilige Benedikt von Nursia bereits im 6. Jahrhundert festgelegt, dass die Sorge um den Körper ebenso wichtig wie diejenige um die Seele sei. Daher habe er Wert gelegt auf die Bildung der Mönche. Doch bereits um das 11. Jahrhundert verlor die Klostermedizin ihre Vormachtstellung an die medizinischen Forschungsanstalten. Im Laufe der Jahrhunderte, und eben auch in jüngster Zeit, erlebte das damals angewandte Wissen um die medizinische Wirksamkeit von Klosterkräutern immer wieder eine Renaissance. Was Ordensbrüder und -schwestern bereits vor Jahrhunderten wussten, kann in der Gegenwart chemisch überprüft werden: Vom Lungenkraut bis zur Nachtkerze – viele Pflanzen besitzen ganz spezifische Heilkräfte. Erste Erkenntnisse wurden bereits patentiert und stehen zum Kampf gegen chronische Krankheiten bereit. Vielerort arbeiten Philologen, Pharmazeuten und Ärzte fieberhaft daran, alte medizinische Schriften aus dem Mittelalter zu entschlüsseln, um heilenden Essenzen und Kräutern und bisher unbekannten Wirkstoffen auf die Spur zu kommen. Dabei gibt es nicht nur aus dem Mittelalter Texte: Unzählige Schriften aus der Antike und dem Römischen Reich wurden damals von Mönchen und Nonnen überarbeitet und archiviert. Viele ihrer Werke gerieten in Vergessenheit, doch einige erleben derzeit ein „Comeback“.
Anfangs, so Pater Saum, sei die Klosterheilkunde eine Erfahrungsheilkunde gewesen, deren Erfolge akribisch aufgezeichnet wurden. Dabei seien die Kenntnisse der griechischen Medizin, zum Beispiel die Viersäftelehre des Hippokrates (um 460 bis 370 v. Chr.) und der chinesischen Medizin mit seinem Yin-Yang-Konzept, dem Geben und Nehmen (um 1000 bis 700 v. Chr. gesichert erwähnt), in den Erfahrungsschatz der westlichen Kräuterlehre eingeflossen.
Wesentlich sei, dass der Mensch als Ganzes gesehen werde, er zu seiner inneren Mitte finde, denn in jedem Menschen sei Jesus Christus zu sehen; deshalb sei das Fasten des Körpers auch zweitrangig und solle vielmehr zu einem Fest werden. Auch die ursprünglich vierzigtägige Fastenzeit vor Weihnachten – sie begann zu St. Martin – und vor Ostern solle der Vorfreude dienen. Beim Wochenfasten reichten ein bis zwei Tage; wichtig sei es hierbei, aus dem Alltag herauszukommen. Beim Gemeinschaftsfasten im Kloster erhalte jeder Fastende die spezielle Ernährung, die er persönlich brauche. Heilfasten solle als Entlastung empfunden werden, das Belastende müsse herauskommen: „Gott kann dir nur begegnen, wenn du ausgeräumt bist“, sagte Pater Kilian Saum. Man solle die Signale seines Körpers beachten, sich immer wieder die Frage stellen: „Was hält mich gefangen? Lebe ich, oder werde ich gelebt?“ Es gehe also beim Fasten nicht nur um die Gewichtsreduktion, sondern um eine Umstimmung des gesamten Organismus. Und nach dem Fasten um die Frage an sich selber: Wie orientiere ich mich um?
Mit Rezepten gegen und für allerlei Befindlichkeiten rundete Pater Saum seinen Vortrag ab.


23.05.2012
Impressum | Kontakt
4002