Aktuelle Ausgabe
2012-20

Wanderausstellung in der Akademie Schwerte zeigt Werke behinderter Menschen

Kunst ohne Konventionen

„Erinnerungen an Ungarn“ ist dieses Bild einer Künstlerin aus einer Caritaswerkstatt überschrieben.

Schwerte. Diese Ausstellung stellt sich in den Weg: 66 Arbeiten von Menschen mit Behinderung werden derzeit im Eingangsbereich der Katholischen Akademie Schwerte präsentiert. Die Bilderschau „IN-tuition und AUS-druck“ ist noch bis zum 19. Oktober zusehen.

 

von Andreas Wiedenhaus

 

„Wir haben die Bilder bewusst so platziert, dass jeder Besucher der Akademie zwangsläufig mit ihnen in Kontakt kommt“, erklärt Dr. Michaela Stoffels, Kunsthistorikerin und Studienleiterin der Akademie. Entstanden sind die Werke in 33 Caritaswerkstätten in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen, 47 Künstlerinnen und Künstler schufen sie – von der Bleistiftzeichnung bis zur Collage.

„Diese Bilder faszinieren gleich mehrfach“, erläutert die Kunsthistorikerin ihre Sicht auf die Werke, „neben der ästhetischen Seite wie bei jedem Kunstwerk kommt der biografischen Komponente in diesem Zusammenhang großes Gewicht zu.“ Dabei erzählt sie von einem der Künstler mit Down-Syndrom, der bei der offiziellen Eröffnung vor seinem Bild gestanden habe mit dem Satz: „Das bin ich!“ Dr. Michaela Stoffels: „Viele der Motive sind Teil der Identität der Künstler und untrennbar mit ihnen verbunden.“ Wichtig beim Blick auf die Bilder sei dabei die Tatsache, dass sie „jenseits jeglicher stilistischer Konvention“ entstanden seien.

Dabei wolle die Ausstellung einer rein stilistischen, oberflächlichen Betrachtung entgegenwirken. Bei der Auswahl sei bewusst darauf verzichtet worden, sich auf „schöne oder künstlerisch wertvolle Bilder“ zu beschränken.

Dabei mussten Künstler mit Behinderung lange um Anerkennung kämpfen, erklärt die Kunsthistorikerin: „Mittlerweile hat sich die gesellschaftliche Wahrnehmung hinsichtlich der Kreativität behinderter Menschen stark gewandelt.“ Ausschlaggebend dafür seien die Forschungen und Veröffentlichung des Heidelberger Psychiaters Hans Prinzhorn in den Zwanzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts gewesen: „Die Bilder behinderter Menschen wurden nun erstmals als Kunstwerke bezeichnet, ihnen wurde eine ästhetische Dimension zugesprochen.“

Bis zum Sonntag, 19. Oktober, haben Besucher in der Katholischen Akademie noch Gelegenheit, sich von der besonderen Faszination dieser Kunst zu überzeugen. Denn nicht zuletzt soll die Ausstellung eine Möglichkeit schaffen, damit Menschen sich begegnen, die „zuwenig voneinander wissen“. Die Kunstwissenschaftlerin Dr. Christa Schwens, die die Zusammenstellung der Ausstellung fachlich begleitet hat, fasst diese Intention so zusammen: „Die Bilder sind emotionale Orte des Kennen- und Verstehenlernens, geschaffen von Menschen, die nicht im funktionalen Geflecht von Verwaltung, Wirtschaft oder Politik stehen, aber dennoch diese Wirklichkeit mit ihrer je eigenen authentischen Welt erweitern und und bereichern können.“


23.05.2012
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