Jugendliche aus dem Erzbistum Paderborn tankten beim Weltjugendtag auf
Kraftquelle für den Alltag
Junge Katholiken aus dem Erzbistum Paderborn haben in Madrid nicht nur mit Hunderttausenden gefeiert, die Stadt durchstreift und dem Papst zugejubelt. Im Gespräch mit Weihbischof Matthias König haben sie auch die Wurzeln ihres Glaubens besser kennengelernt. Ein Bericht aus den Katechesen.
von Dirk Lankowski
Die Luft in der Kirche der Mutter von Lourdes und des Heiligen Justins im Madrider Norden ist stickig und aufgeheizt. Rund 700 Jugendliche sitzen in den Bänken, den Gängen und vor den Altarstufen. Es wird Wasser an die Teilnehmer der Katechese verteilt. Keiner will weichen, alle wollen zuhören, diskutieren, aber auch beten.
„Heute geht es um das Thema ,Verwurzelt in Jesus Christus’“, erklärt Diözesanjugendpfarrer Stephan Schröder. Aber zuerst hat er noch eine Frage. „Habt ihr alle einen Stempel bekommen?“ Bejahende Rufe erschallen, alle recken ihre Arme in die Höhe. Andreas Tillmann, Diözesanvorsitzender des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) hat vor der Katechese mit einigen Helfern gute Arbeit geleistet. „Wir verteilen hier jeden Morgen Stempel zum Motto der Katechese“, erklärt Tillmann. Dieses Mal gab es den Stempel mit der Aufschrift „Verwurzelt“ auf die Hand – und bei manchem auch ins Gesicht. Für die anderen Katechesen standen die Wörter „Überzeugt“ und „Engagiert“. „Wir wollen zeigen, dass wir uns mit Jesus Christus verbunden fühlen und in ihm verwurzelt sind“, sagt der BDKJ-Mann.
Jugendpfarrer Schröder hat vor der Katechese an diesem Morgen noch ein besonderes Anliegen. Viele Weltjugendtagspilger aus dem Erzbistum Paderborn haben ihm von den Protesten in der Madrider Innenstadt berichtet. Er will für die Jugendlichen beten, die dort seit Wochen gegen Arbeitslosigkeit und für bessere Zukunftschancen demonstrieren. „Lasst uns für die jungen Menschen beten in diesem Land, damit sie mit Hoffnung in die Zukunft blicken können und eine Perspektive haben“, spricht Stephan Schröder. Die Jugendlichen halten inne.
Dass die Weltjugendtagsteilnehmer aus Paderborn sich so die Anliegen ihrer Altersgenossen aus dem Gastland zu eigen machen, ist für Tillmann wichtig. „Wir müssen auch über internationale Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung und Glauben diskutieren können“, sagt der BDKJ-Vertreter. Der Weltjugendtag würde neben der Stärkung im Glauben die Gelegenheit für Jugendliche bieten, sich in ihrer christlichen Verantwortung für die Welt zu vernetzen. Das ist mit ein Grund, weshalb der BDKJ diese Fahrt zusammen mit der Abteilung Jugendpastoral des Erzbischöflichen Generalvikariats organisiert hat.
Vernetzt haben sich die Jugendlichen aus Paderborn-Neuenbeken recht schnell. „Die Jugendlichen haben nach den Tagen in Pamplona und hier in Madrid untereinander neue Bande geknüpft“, sagt Gruppenleiter und Pastor Markus Stadermann. Das zeige sich besonders in den vielen Gesprächen. „Es tauchen interessante Fragen auf, die werden inhaltlich angepackt, und wir reden intensiv über unseren Glauben.“
Die Neuenbekener haben gerade Pause. Ann-Kathrin Varges, Sarah Heemann, Florian Eikenberg, Fabian Böddeker und Britta Mertens stehen vor der Kirche und genießen die Sonne. „Die Katechese ist total super, der Bischof spricht so direkt mit uns“, sagt Ann-Kathrin. Allerdings ist sie noch nicht der Madrid-Fan geworden. „Die Tage der Begegnung in Pamplona waren interessanter“, meint sie. Das mag auch daran liegen, dass die Jugendlichen von Familien in eine Turnhalle wechseln mussten. „Der Schock war groß, wir kommen aus Familien und müssen uns mit 550 Jugendlichen ein Drittel einer Turnhalle teilen“, erzählt Florian. Und sein Freund Fabian ergänzt: „Man braucht viel Geduld hier in Madrid.“ Sarah Heemann und Britta Mertens freuen sich deshalb auf die Vigilfeier und die Nacht unter freiem Himmel. Keine stickige Kirche, keine übervolle Turnhalle – es kann also nur besser werden. Für die jungen Katholiken aus Neuenbeken zählt am Ende das Ergebnis. „Wir hoffen auf neue Impulse für den Glauben.“
Jugendliche im Glauben zu stärken, das ist das Ziel von Paderborns Weihbischof Matthias König. Er fordert bei seiner Katechese die Jugendlichen auf, nach ihren Wurzeln und ihrem Wurzelgrund zu suchen. Aus der eigenen Erfahrung heraus weiß er, dass diese Arbeit mühsam, aber auch lohnend ist. „Vielleicht werdet ihr an eurem Wurzelgrund auf die Zuneigung eurer Eltern oder eines Partners treffen“, sagt der Weihbischof. Viel sicherer könnten die Jugendlichen aber in einem anderen Punkt sein: „Ihr werdet dort immer auf die Liebe Gottes treffen.“
Jugendpfarrer Schröder ermuntert die Jugendlichen, mit ihren Sitznachbarn über die Katechese ins Gespräch zu kommen, aber auch Fragen an Weihbischof König zu stellen. Einige Mutige trauen sich. Sie berichten über ihrer Sorge um die Kirche, die Überalterung der Gemeinden und vom Desinteresse an der Jugend. Weihbischof König weiß, dass junge Christen gerade in Zeiten, in denen sie sich oft als Minderheit erleben, viel Kraft brauchen. „Der Weltjugendtag kann ein Kraftquelle sein. Es gibt auf der Welt Millionen von jungen Christen, nehmt etwas von der Fröhlichkeit dieses Weltjugendtages mit.“
Bei Pastor Schröder klingen diese Worte nach. „Wir hoffen, dass die Weltjugendtagspilger bei den Messdienern, in Verbandsgruppen und Pfarrjugenden die geistlichen Impulse weitergeben.“ Und Andreas Tillmann ergänzt: „Es wäre schön, wenn wir nicht nur bei den Weltjugendtagen über den eigenen Glauben so intensiv ins Gespräch kommen, sondern auch darüber hinaus.“







