Aktuelle Ausgabe
2012-20

Kommentar

Konsens für den Schulfrieden

von Andreas Wiedenhaus 

Lange hat es gedauert. Manch einer mag angesichts der tiefen Gräben zwischen den gegnerischen Lagern schon nicht mehr daran geglaubt haben. Rund vier Jahrzehnte gehörte es zum „guten Ton“ unter Politikern, ideologische Grundsatzdebatten um die richtigen Schulformen in Nordrhein-Westfalen auf dem Rücken derjenigen auszutragen, um die es eigentlich ging: Die Kinder und Jugendlichen.

Doch jetzt scheint es möglich geworden zu sein: Die rot-grüne Minderheitsregierung hat sich mit der CDU-Opposition auf einen Konsens geeinigt, der einen langfristigen Schulfrieden sichern soll.

„Sekundarschule“ heißt die Lösung. Dort werden die Klassen fünf bis sechs schulübergreifend unterrichtet, ab dem siebten Schuljahr kann in getrennten Bildungsgängen Unterricht erteilt werden. Eine gymnasiale Oberstufe erhält die neue Schulform nicht.

Beide Seiten haben Positionen aufgegeben und Zugeständnisse gemacht. Es gibt keine politischen Gewinner; ebenso wenig, wie es Verlierer gibt. Das zeichnet einen tragfähigen Kompromiss aus. Die CDU akzeptiert das längere gemeinsame Lernen, die Regierung verzichtet auf die gerade erst installierte Gemeinschaftsschule. Damit haben die Gymnasien eine Bestandsgarantie. 

Diejenigen, die profitieren, sitzen hoffentlich aufseiten von Schülern, Eltern und Lehrern. Die Voraussetzungen dafür stehen nicht schlecht – zumindest, was die Planungssicherheit angeht: Bis zum Jahr 2023 verpflichten sich SPD, Grüne und CDU, keine der bestehenden Schulformen abzuschaffen. Diese Vereinbarung kann nicht einseitig aufgekündigt werden. Und das ist ja schon viel wert.

 

 


23.05.2012
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