Aktuelle Ausgabe
2012-20

Kommentare

Den Papst im Visier

Markus Jonas (43) ist Redakteur des DOM

Den Papst im Visier: Die – vor allem deutschen – Medien gefallen sich offenbar darin, Papst Benedikt XVI. immer neue, an den Haaren herbeigezogene „Fehltritte“ vorzuwerfen. So kritisieren sie auch seine Bemerkung auf dem Flug nach Kamerun gegenüber Journalisten, dass die Geißel Aids „nicht mit der Verteilung von Kondomen beseitigt werden kann: Im Gegenteil, es besteht das Risiko, das Problem zu vergrößern“– so das Zitat laut vatikanischem Presseamt.
Dass Kondome Aids nicht allein besiegen können, kann niemand ernsthaft bestreiten, der sich auch nur fünf Minuten mit dem Problem befasst hat. Und dass der Papst befürchtet, dass die Verteilung von Kondomen als Aufforderung zur Promiskuität verstanden werden kann, die das Problem verschärfen würde, sollte jeder nachvollziehen können. Das beste Gegenmittel gegen die weitere Aids-Verbreitung ist nun mal eheliche Treue und Enthaltsamkeit. Der Papst hat lediglich die Haltung der Kirche wiederholt, wie sie seit mehr als 40 Jahren bekannt ist. Wer aus dieser Haltung „Menschenverachtung“ herausliest, hat nicht alle Tassen im Schrank. Die wirksamste Organisation im Kampf gegen Aids in Afrika ist nachweislich die katholische Kirche.

 

Der wahre Preis der Gesundheit

Christian Schlichter (45) ist Chefredakteur des DOM

Jedes Jahr gibt es mehr Geld für Kassen und Gesundheit. Und trotzdem beklagt sich auch in jedem Jahr irgendeine Gruppe von Ärzten über zu wenig Geld. Mittlerweile kommt zu dem alten Urteil, Ärzte seien gut situiert, ein neues Vorurteil: Ärzte sind geldfixiert, nie ist es genug.
Alle Versuche, das Geschehen rund um das Gewirr aus Kassen mit größtenteils Einheitsleistung, aus Kassenärztlichen Vereinigungen mit quasi Allmachtsstatus und Politikerträumen zu entwirren, scheitert. Erst Klinikärzte, dann die Fachärzte, zwischendurch die Allgemeinmediziner, irgendwem reicht es nie. Die Milliarden, die erst die gute Beitragslage, dann der Gesundheitsfonds in die Kassen gespült haben, sind bei ihnen nicht angekommen. Das zu durchschauen, ist für den Patienten unmöglich geworden. Also tut korrekte Nachhilfe not, wo denn die Milliarden bleiben. Dann wird der Beitragszahler vielleicht endlich wissen, was der Preis der Gesundheit ist. Und kann mit den Politikern Klartext reden, ob es ihm das wert ist.


23.05.2012
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