Mobile Küche im Altenheim erfreut sich großer Beliebtheit
Kochen ohne Abzugshaube
Anröchte. „Hmm, was duftet bei euch denn so gut?“ Donnerstags hört Heimleiter Reinert Hüpper diese Frage oft. Allerdings nur von Besuchern des Seniorenheims Haus Elisabeth in Anröchte. Denn Bewohner und Mitarbeiter wissen: Wenn donnerstags der Duft von Pfannkuchen oder Frikadellen durch die Flure zieht, ist wieder die mobile Küche in Betrieb.
Um halb zehn ist Rita Feldhaus bereits schwer beschäftigt. Sie füllt mit einer Kelle Teig in eine Pfanne. Allerdings erledigt sie dies nicht in der großen Küche des Altenheims Haus Elisabeth, sondern in einer Sitzecke im unteren Wohnbereich. Dort steht an diesem Morgen die mobile Küche. Die ehrenamtliche Seniorenbegleiterin Rita Feldhaus und ihre Kollegin Maria Gafrilof bereiten heute Apfel-Pfannkuchen für die Bewohner zu. Sechs Männer und Frauen, manche von ihnen in Rollstühlen, haben sich schon erwartungsvoll versammelt. Und es werden noch mehr kommen. Viele von ihnen sind demenzkrank.
An sie ist das Angebot der mobilen Küche besonders gerichtet. Denn es soll ihre Sinne und ihren Appetit wieder fördern. „Angefangen hat das alles im vergangenen Jahr“, erklärt Reinert Hüpper. Damals hatte sich seine Mitarbeiterin Birgit Böckmann im Rahmen ihrer Abschlussprüfung zur Hauswirtschaftsmeisterin mit der Ernährung für Demenzkranke auseinandergesetzt. Da diese oft nichts mit dem Essen anfangen könnten, müssten ihre Sinne speziell angesprochen werden. So begann Birgit Böckmann mit einer kleinen Herdplatte das „Kochen im Zimmer“. „Wir hatten damit so großen Erfolg, dass uns die örtliche Sparkasse eine komplette mobile Küche finanzierte“, freut sich Reinert Hüpper. 15 ehrenamtliche Seniorenbegleiter sicherten den Fortgang des besonderen Angebots. Nun wird seit Ende 2007 jeden Donnerstag in einem der drei Wohnbereiche gekocht.
Dann zieht ab halb elf der Geruch von Pfann- oder Eiserkuchen, Bratkartoffeln oder Frikadellen durch die Gänge. „Das ist auch durchaus erwünscht“, sagt Rita Feldhaus, während sie die Pfannkuchen wendet. Außerdem habe die Küche ja ohnehin keine Dunstabzugshaube, wie sie schmunzelnd hinzufügt. Der Geruch – und später der Geschmack – soll bei den demenzkranken Bewohnern von Haus Elisabeth die Erinnerung an früher wieder wachrufen. Diese Erinnerungen seien auch Gegenstand der vielen Gespräche, die die Seniorenbegleiter mit den Bewohnern führen. „Wir lenken die Unterhaltungen ganz bewusst in diese Richtung“, schildert die 57-jährige Hobby-Köchin Feldhaus ihr Vorgehen, während sie die ersten Pfannkuchen verteilt. Während die Männer und Frauen essen, reden sie mit ihren beiden Köchinnen darüber, wie Pfannkuchen früher bei ihnen zubereitet wurden. Die gebürtige Tschechin Anna Wiener erinnert sich beispielsweise, dass es bei ihr Pfannkuchen meistens nur sonntags gegeben habe. Kritik dagegen kommt von Magdalena Siethoff: Sie hätte stets mehr Eier und Zucker genommen.
Doch die beiden Ehrenamtlichen stören sich nicht daran, im Gegenteil: „Wir freuen uns, wenn sich solche Gespräche entwickeln und die Bewohner sich erinnern“, sagt die 55-jährige Gafrilof. Und verteilt weiter Pfannkuchen, die die Bewohner mit sichtlichem Genuss verputzen. Die mobile Küche ist mittlerweile übrigens recht bekannt geworden: „Es kamen schon einige Kollegen vorbei, um sich die Küche vorführen zu lassen“, erklärt Reinert Hüpper.
Birger Berbüsse
Das Haus Elisabeth ist erreichbar unter Tel. 02947/972511 oder im Internet auf www.haus-elisabeth-anroechte.de







