Aktuelle Ausgabe
2012-20

Kolping-Gesprächsreihe „Impuls 149“ mit Prälat Andreas Kurte aus dem Generalvikariat

Kirche braucht „schräge Typen“

Bei seiner Situationsanalyse der Kirche in Deutschland nahm Prälat Andreas Kurte kein Blatt vor den Mund. Der Personalchef des Bistums zeigte aber auch Chancen und Möglichkeiten.Foto: privat

Menden. „Wir müssen Abschied nehmen von einer erfolgreichen Gestaltform der Kirche“ sagte Prälat Andreas Kurte, Leiter der Abteilung Pastorales Personal im Paderborner Generalvikariat im Pfarrheim der Heilig-Kreuz-Gemeinde in Menden und sprach damit eine bittere Wahrheit aus. Gleichzeitig unterstrich er aber, dass der Wandel jetzt zu gestalten sei und positive Chancen mit sich bringe.


Kurte war auf Einladung des Kolping-Bezirksverbandes Menden-Fröndenberg Gast­redner im Rahmen der Gesprächsreihe „Impuls 149“. Die Reihe bildet den Prolog zum 150-jährigen Bestehen des Kolping-Diözesanverbandes, das im kommenden Jahr gefeiert wird.
Der Leiter der Abteilung Pastorales Personal führte aus, dass die Kirche lange Zeit in Deutschland deshalb so erfolgreich gewesen sei, weil sie gestützt worden sei von einer begleitenden Kultur, welche die Kirche und ihr Tun anerkannt habe: Priester galten über Jahrhunderte als Autorität. Konfessionelle Schulen, Kindergärten oder Krankenhäuser waren oder sind zum Teil immer noch die Regel.
Heute ist die Kirche nach Kurtes Meinung in einer dreifachen Krise. Dies sei zum einen der Priestermangel, zum zweiten der Gemeindemangel und zum dritten der Geldmangel. Diese Mangelsituationen werden sich, meint der Personalchef im Generalvikariat, nicht kurzfristig umkehren lassen, daher bedürfe es neuer Ideen und Kreativität. Anhand der Sinus-Milieu-Studie zeigte der Referent auf, welche Zielgruppen die Kirche derzeit anspricht bzw. welche Menschen Kirche nicht erreicht. Der notwendige Übergang der Kirche in eine neue Gestaltform könne nur gelingen, wenn Kirche wieder neu zu einer Visionsgemeinschaft werde und eine Re-Spiritualisierung der Gläubigen Einzug halte. „Wir brauchen auch die schrägen Typen in den Priesterseminaren und Gemeinden.“ Nur so habe Kirche die Möglichkeit, neue Zielgruppen anzusprechen und neue Formen der Glaubensvermittlung zu entwickeln. Mit einigen dieser „schrägen“ Priester, Diakone und Gemeindereferenten werde er, so Kurte, demnächst eine Wanderung unternehmen, um neue Ideen zu sammeln.
Bei der anschließenden Diskussion unterstrich Prälat Kurte, dass auch das Miteinander von Priestern und Laien erst am Anfang stehe und Kirche in diesem Kontext ein neues Zusammenwirken benötige. Die Aufgaben, die Priester und Laien wahrnehmen, müssten neu definiert werden. Priester müssten von Verwaltungsaufgaben entlastet werden, Laien dürften kein Notnagel in Zeiten des Priestermangels sein. Ausdrücklich begrüßte Prälat Kurte die Einrichtung der pastoralen Begleitpersonen im Kolpingwerk, weil dies eine konkrete Form zur Umsetzung „des allgemeinen Priestertums“ sei, welches das 2. Vatikanische Konzil vor 40 Jahren beschrieben hatte. Gerade auch an diesem Beispiel werde deutlich, dass in der Kirche zahlreiche Charismen und Stärken vorhanden seien. Kurte: „Trotz aller Sorgen dürfen wir daher selbstbewusst und optimistisch in die Zukunft blicken.“ Immerhin gingen jeden Sonntag nach wie vor mehr Menschen in die Kirchen als zu irgendwelchen anderen Veranstaltungen.
Zum Abschluss seines Vortrages forderte er die Kolpingsfamilien auf, ihr je eigenes Profil zu entwickeln und somit zu einer guten Entwicklung der Kirche beizutragen.


23.05.2012
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