Aktuelle Ausgabe
2012-20

Thomas Mecha berichtete von seinen Erfahrungen als „Missionar auf Zeit“

Kinder ohne Kindheit

Thomas Mecha (3. v. r.) sammelt weiter Spenden. Foto: Rupprecht

Bielefeld. Viele Eindrücke konnte Thomas Mecha als „Missionar auf Zeit“ in Nairobi/Kenia sammeln. Nicht alle Erinnerungen sind schön. So geriet der Abiturient auch in die Bürgerkriegswirren. Bei einem Vortrag in der Marienschule, dem Gymnasium der Ursulinen in Bielefeld-Schildesche, berichtete er von dieser Zeit.

Von Martin Tobias Rupprecht

Als Thomas Mecha, 2007 sein Abitur an der Marienschule in der Tasche hatte, beschloss er aus christlicher Motivation heraus für ein Jahr nach Afrika zu gehen, um dort sozial zu arbeiten. Er sammelte 3200 Euro bei Mitschülern, Eltern Lehrern der Schule und den Konventschwestern und ging nach Nairobi in Kenia, wo er als Jugendkoordinator im „Kivuli Center“, einem Slum mit etwa 100000 Einwohnern arbeitete.
Das Herzstück des „Kivuli Centers“ ist die Anlaufstelle für Straßenkinder, die sich dort an das normale Leben – weg von der Straße – gewöhnen.
In Nairobi sah er viel Elend. Es seien „vor allem die Kinder und Jugendlichen, die besonders leiden und oft große Verantwortung für ihre Familie tragen“, berichtete Mecha. So schilderte er bei seinem Vortrag in seiner „alten“ Schule etwa eine Begegnung mit einem siebenjährigen Jungen. Dieser habe tags und nachts schwere Metallsäcke geschleppt und sei stets auf der Suche nach jedem noch so kleinen Metallteil gewesen, um es zu Geld zu machen und seine Familie zu ernähren. „Diese Kinder sind eigentlich keine Kinder mehr, sondern tragen die Last eines Erwachsenen. Umso erfreulicher ist es, sie von der Straße holen zu können um mit ihnen in einer Jugendgruppe zu arbeiten“, sagt der 21-Jährige.
Man müsse manchmal ungewöhnliche Wege gehen, um die Menschen dort an schwierige Themen heranzuführen, weiß Mecha aus eigener Erfahrung zu berichten. Da viele Kenianer nicht lesen und schreiben könnten, sei das Theater häufig der Überbringer von lebenswichtigen Informationen, etwa von Aufklärung im Bezug auf Aids und Tuberkulose.
„Das Problem der Kenianer ist die Landflucht“, beschreibt der ehemalige Missionar die Lage vor Ort. Aber: „Die Träume, das Glück und Geld in der Stadt zu finden, erfüllt sich in den wenigsten Fällen“. Die Realität sei der Absturz in die Slums, wo die  Kriminalität sehr hoch sei. Daher müsse man einige Regeln, egal ob „weiß oder schwarz“, berücksichtigen. Die wichtigste Regel sei nach 20.30 Uhr nicht mehr auf der Straße unterwegs zu sein.
Als sich zum vergangenen Jahreswechsel die Bürgerkriegsunruhen in Kenia verschärften, brachte sich Mecha für mehrere Tage bei einem Arbeitskollegen außerhalb Nairobis in Sicherheit.
Doch abgesehen von dieser Zeit empfand er seinen Aufenthalt als wichtige Erfahrung. Seine zuvor zusammengetragenen Spenden kamen vor allem Projekten der Partnerschule des Ursulinengymnasiums zugute, dem „Materie Gils Center“ in Meru, aber auch Einzelpersonen.
„Insgesamt haben 100 Personen von der Spende  der Marienschule profitiert“, so Mecha. Und er macht weiter. Mit Hilfe der mitgebrachten Gegenstände aus „seinem“ Slum, wie Keniaarmbänder oder Holzelefanten, hofft er weiteres Geld für seine Schützlinge zusammentragen zu können.


23.05.2012
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