Aktuelle Ausgabe
2012-20

St.-Bonifatius-Kindergarten in Schüren führt Kinder an das Thema Tod heran / Hummel beerdigt

Kinder, Tod und Lebensfreude

Kindergartenkinder und der Tod: Im St.-Bonifatius-Kindergarten in Schüren haben die Kinder einen Insektenfriedhof angelegt.

Dortmund-Schüren. Kindergartenkinder an das Thema Tod heranzuführen war das Ziel eines gemeinsamen Projektes des St.-Bonifatius-Kindergartens mit den Dortmunder Friedhofsgärtnern. „Es ging uns um die kindgerechte Beschäftigung mit den Themen Tod, Abschied und Trauer unter Berücksichtigung der Erfahrungen des Werdens und Vergehens in der Natur. Zielgruppe sollten die 5-6jährigen „großen“ Kinder des Kindergartens sein.“, sagte Kindergartenleiterin Christiane Wulff.

Nach intensiven Gesprächen mit Friedhofsgärtner Martin Struck und Diplompädagogin Birgit Mattern, die das sensible Projekt begleitete, seien die Erzieherinnen des Kindergartens bereit gewesen,  sich mit dem Thema Tod, Abschied und Trauer vertraut zu machen und letztendlich eine Verbindung mit der Kindergartenarbeit erkennen zu können. Es sei ein intensiver Erfahrungsaustausch gewesen, sagt Wulff.
Die verschiedenen Bausteine des Projektes seien gemeinsam erarbeitet worden. Ein Elternabend sollte zur Vorstellung des Projektes, zur Auseinandersetzung mit diesem Thema und zur Klärung eventueller Fragen und Bedenken dienen.
Bei einem Besuch des Friedhofs in Dortmund-Schüren wurden die Kindern von den Erzieherinnen und der Diplompädagogin begleitet – der Friedhofsgärtner erwartete die Gruppe, um den Friedhof zu zeigen, einige Merkmale zu erklären und die Fragen der Kinder zu beantworten.
Die Erzieherinnen stellten den Kindern das Bilderbuch „Die besten Beerdigungen der Welt“ vor. Es folgten die Planung des eigenen Friedhofs, eigener Formen und Rituale für zukünftige Beerdigungen. Unser Lied zur Beerdigung sollte sein: „Das wünsch ich sehr“. Der Kreislauf der Natur, das Werden und Vergehen wurde durch das Lied und Bewegungsspiel von der Sonnenblume erfahrbar gemacht, erklärt die Pädagogin.
Ein Insektenfriedhof in Form einer halben Sonne wurde von den Friedhofsgärtnern auf dem Kindergartengelände angelegt.
Die Idee sei es gewesen, einen Rückzugsraum für die Kindergartenkinder zu schaffen, der ihnen eine ruhige und intime Atmosphäre bietet, eben einen „friedvollen Raum“. Gleichzeitig sollte es der Ort sein, wo die Kinder verstorbene Insekten begraben, sich erinnern, trauern und gegenseitig trösten können.
Auf dem Schürener Friedhof wurden Naturmaterialien gesammelt, um damit nach der Kunstrichtung „Land Art“ den eigenen Friedhof zu gestalten. Die Kinder hatten vorher Bilder von „Land Art“ gesehen und mit Naturmaterialien im Kindergarten experimentiert.
Zum Abschluss des Projektes wurde die Einweihung des Friedhofs gefeiert.
Mit selbstgemalten Einladungen wurden die Eltern, die Friedhofsgärtner, die Gemeindereferentin und alle kleinen Kindergartenkinder zum Fest eingeladen. Nach der ersten Beerdigung einer Hummel und der Vorführung unseres „Sonnenblumenspiels“  gab es  natürlich Streuselkuchen, den traditionellen Beerdigungskuchen.
„Wir Erzieherinnen des Kath. Kindergartens St. Bonifatius haben mit diesem außergewöhnlichen Projekt außergewöhnliche Erfahrungen gemacht“, sagt Christiane Wulff als Fazit dieses sensiblen Unterfangens.
Die Kinder seien sehr engagiert  und interessiert dabei gewesen. Viele von ihnen hätten schon verschiedene Erfahrungen mit dem Tod gemacht. Diese und auch andere Fragen zum Thema Tod und Sterben konnten die Kinder im Rahmen des Projektes einbringen.
Einige Eltern seien anfangs bei der Vorstellung des Projektes etwas skeptisch gewesen. Seien aber dann auch sehr positiv gestimmt gewesen.
Die Auseinandersetzung mit diesem Thema sei auch für Erzieherinnen persönliche Verarbeitung erlebter Abschiede und Trauer.
„Wir werden das Projekt in Zukunft jährlich mit den ,Großen‘ durchführen, so die Kindergartenleiterin in ihrem Fazit.


23.05.2012
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