Ökumenische Allianz in Hamm will spürbare Hilfen für Kinder aus Hartz-IV-Familien
Kinder-Ticket contra Kinderarmut
Hamm. „Mama, ich möchte so gerne ins Schwimmbad, ... zu meiner Freundin fahren, ... zum Sport gehen!“ Welche Mutter hat diese Sätze so oder in ähnlicher Form nicht schon gehört. Kinder brauchen Fürsorge, Liebe und fordern Verantwortung. Nicht nur Essen und Kleidung. Das Kennenlernen ihrer Umwelt, soziale Kontaktpflege und was sonst noch die Kinderseele für das Leben starkmacht, gehören ebenfalls dazu. Das kostet auch Geld. Finanzielle Mittel, die manche Eltern in der heutigen Zeit einfach nicht übrighaben. Die Folge heißt Kinderarmut. „Wir wollen gerade diesen Kindern direkte Hilfe zur Selbsthilfe bieten“, erklärt Pfarrer Lothar Brieskorn, Leiter des Pastoralverbundes Pelkum-Herringen in Hamm.
von Elisabeth Plamper
Die Idee ist, als Ergänzung zu den vorhandenen sozialen, kommunalen und kirchlichen Netzwerken die Einführung eines sogenannten „Kinder-Tickets“. Es soll Kindern aus Familien, die von Hartz IV leben, ermöglichen, schon vorhandene Hilfsmöglichkeiten und vergünstigte oder kostenfreie Freizeit- und Bildungsmöglichkeiten besser zu nutzen. Geplant ist daher eine entgeltfreie Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel und weitere spürbare Ermäßigungen beim Eintritt in Schwimmbäder, Parks, Museen und bei öffentlichen Veranstaltungen.
Zu den Initiatoren des „Kinder-Tickets“ gehören die evangelische Friedenskirche Wiescherhöfen und die evangelische Jakobus-Gemeinde Pelkum, mit denen St. Marien bereits seit Jahren eine gute Zusammenarbeit im Zeichen der Ökumene pflegt. In Herringen unterstützen die katholische Heilig-Kreuz-Gemeinde und die evangelische Gemeinde St. Victor das Projekt. Den entscheidenden Impuls gab das dritte ökumenische Treffen der Pfarrgemeinderäte, Kirchenvorstände und Presbyterien im Mai dieses Jahres im Pelkumer Gemeindezentrum, als sich die Teilnehmer mit dem Thema „Kinderarmut als Herausforderung in unseren Gemeinden“ auseinandersetzten. Insbesondere in den Hammer Stadtbezirken Pelkum und Herringen leben zahlreiche Alleinerziehende, Mehr-Kind-Familien und Familien mit Migrationshintergrund. „Jedes sechste Kind ist dort von der Kinderarmut betroffen“, erläutert der Seelsorger. „Armut bedeutet nicht nur finanziellen Mangel, sondern auch Unterversorgung in den Bereichen Ernährung, Wohnung, Gesundheit, Bildung und soziale Kontakte.“
Das Ergebnis war ein Entwurf für einen Bürgerantrag an die Stadt Hamm und beschrieb nachdrücklich, dass zahlreiche Kinder aus finanziell weniger gut aufgestellten Familien an für viele andere Kinder selbstverständlichen Aktionen des gesellschaftlichen Lebens nicht teilhaben können. Das Kinder-Ticket ist eine Möglichkeit, diese Kinder ohne besonderen bürokratischen Aufwand unmittelbar zu unterstützen. Der Entwurf wurde in den Pelkumer und Herringer Gemeinden diskutiert, in bearbeiteter Fassung angenommen und an Oberbürgermeister Hunsteger-Petermann von den evangelischen und katholischen Geistlichen übergeben. Das Stadtoberhaupt habe sehr offen reagiert und großes Verständnis für das Anliegen gezeigt, so Brieskorn. Am 1. Dezember wird das Projekt im öffentlichen Sitzungsteil des Kinder- und Jugendhilfeausschus der Stadt Hamm vorgestellt. Für die Initiatoren heißt es nun abwarten.
Der Pastoralverbund „Pelkum-Herringen“ wurde am 1. Dezember 2001 errichtet und umfasst die Gemeinden St. Marien in Hamm-Wiescherhöfen und Heilig Kreuz in Hamm-Herringen. Leiter des Pastoralverbundes ist Pfarrer Lothar Brieskorn. Zu den gemeinsamen, seelsorglichen Aufgaben zählen unter anderem die Integration der in den letzten zehn Jahren zugezogenen Spätaussiedlerfamilien, Familien-, Kinder- und Jugendarbeit insbesondere auch in sozialen Brennpunkten, karitative Aufgaben, Ökumene sowie Kontaktpflege zu türkischen Mitbürgern. Mehr Informationen unter
www.pelkum-herringen.de







