Aktuelle Ausgabe
2012-20

Kommentar

Kein Ruhmesblatt

von Matthias Nückel 

Das Ergebnis einer Untersuchung in Europa ist erschreckend: Die Deutschen sind gegenüber Muslimen erheblich negativer eingestellt als ihre europäischen Nachbarn. 57,7 Prozent der Westdeutschen und sogar 62,2 Prozent der Ostdeutschen haben Muslimen gegenüber eine ablehnende Einstellung. Dagegen liegt der Vergleichswert in Frankreich, den Niederlanden, Portugal und Dänemark zwischen 36,7 und 33,5 Prozent.

Die Intoleranz gegenüber anderen religiösen Gruppen gilt nicht nur für Muslime. Zu Hindus, Buddhisten und Juden haben viele Deutsche ebenfalls eine ablehnende Haltung, auch wenn die Zahlen hier nicht ganz so hoch sind.

Diese Intoleranz ist für die Christen in Deutschland wahrlich kein Ruhmesblatt. Man mag das Ergebnis der Untersuchung in Westdeutschland damit begründen, dass die heute älteren Menschen in ihrer Jugend gegen andere Religionen indoktriniert wurden. Im Osten der Republik spielt es vielleicht eine Rolle, dass das SED-Regime seine Bürger gegen jede Religion zu immunisieren versuchte.

Hauptursache der ablehnenden Haltung allerdings ist Unkenntnis. Die Wissenschaftler haben nämlich festgestellt, dass jene, die Muslime nicht persönlich kennen, eher eine negative Haltung haben als jene, die Muslime kennen.

Deshalb ist es gut, wenn christliche Kirchen die Begegnung mit anderen Religionen fördern, sei es durch gegenseitige Besuche und Gespräche oder „interreligiöse Stadtrundfahrten“. Nur das Kennenlernen kann Vorurteile abbauen – auf beiden Seiten. Sich auf solche Begegnungen einzulassen, sollte Pflicht für jeden Christen sein.


23.05.2012
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