Aktuelle Ausgabe
2012-20

Macher des Katholikentages planen mit Gottvertrauen

Kein Notfallplan im Gepäck

Den kleinen weißen Zettel an der Pinwand zeigt Andreas Kratel erst am Ende des Gesprächs: Macht euch keine Sorgen. Nehemia 8,10. „Den habe ich schon seit Monaten dort hängen“, lacht der „Bereichsleiter Programm“ des Katholikentages. Denn dass er bei aller Sorge um einen guten Verlauf des Großereignisses ein bisschen Entlastung braucht, ist dem Theologen klar.


Alle Kraft in den Katholikentag: Die Menschen hinter den Planungen für das Großereignis sind (von links sitzend)): Dr. Andreas Kratel (Bereichsleiter Programm), Silke Schmidt, Dr. Stauch (Geschäftsführer), Marcel Völtz. (Hintere Reihe stehend) Dorothee Barenbrügge, Sebastian Pflüger, Christoph Weyer (alle MA-Programm).Foto: KNA

Es war nicht leicht, zwei Wochen vor dem Katholikentag den Termin für ein Bibelgespräch zu finden. „Alle arbeiten im Moment sieben Tage die Woche bis in die Nacht“, sagt Kratel. Es mache ihm schon Sorge, dass diese Belastung an die Gesundheit gehe. Aber dann lassen zwei junge Leute ihre Arbeit liegen und erzählen, worum sie sich sorgen. Etwa um Quartiere und das „Sorgentelefon“. „Zu dritt sitzen wir zur Zeit an der Katholikentags-Hotline und beantworten Fragen“, erzählt Katrin Dorgeist.
Ununterbrochen rufen Menschen an. Manche wollen Informationen zum Programm, andere zur Anreise, viele zur Unterbringung. „Wir verschicken die Briefe mit den Quartier-Zusagen erst Ende der Woche; da machen sich manche Leute schon Sorgen, ob die auch unterkommen.“ Andere wollten bei dem schönen Pfingstwetter Urlaub machen und sich noch vorher bei ihrem Gastgeber melden.
Größere Sorge bereiten die Mitwirkenden, die vielfach in Hotels untergebracht werden. „Schon Ende Februar wurden alle gebeten, uns mitzuteilen, welche Unterkunft sie brauchen.“ Jetzt, zwei Wochen vor dem Katholikentag, haben sich manche immer noch nicht gemeldet. „Wir können aber die Hotelzimmer erst verteilen, wenn wir wissen, wer eins braucht.“ Und für wen ein Hotel in der Osnabrücker Innenstadt gebucht werden muss. „Da bringen wir nur zehn Prozent unter.“ Die Sorge ist deshalb nicht, für alle ein Bett zu haben. Eher, ob die Leute mit ihrem Bett zufrieden sind. „Vor allem die, die wichtig sind oder sich dafür halten.“
Joachim Krieg hat eine ganz andere Baustelle. Er kümmert sich um die 2000 Helferinnen und Helfer. „Wir sind die Heiden-Abteilung“, lacht er, denn er sorgt sich um das, was Jesus anprangert: das Essen, das Trinken, die Kleidung. „Wir hatten für 1500 Helfer kalkuliert. Jetzt kommen 2000, und unsere Ressourcen an Essen und Helfertüchern sind erreicht.“ Seine Hauptarbeit ist jedoch der Einsatz der Freiwilligen. „Alle Helfer werden einem festen Ort zugewiesen“, erzählt er. „Dort arbeiten sie dann sechs bis acht Stunden täglich in zwei Schichten.“ Etwa beim Auf- und Abbau der Bühnen, beim Stühlerücken, bei der Einlasskon­trolle, beim Fahrdienst oder bei der Hilfe für Behinderte. Oder sie unterstützen die „professionelle Security“ bei großen Konzerten oder beim Auftritt wichtiger Leute. Zurzeit stellt Krieg die Einsatzpläne auf und verschickt alle Informationen und Unterlagen an die Helfer. „Die müssen ja wissen, wo sie schlafen, wo sie etwas zu essen bekommen und wo sie sich melden müssen.“
Auch Andreas Kratel sorgt sich. Seit Tagen vor allem um Parkscheine und Einfahrtgenehmigungen. „Tausende müssen wir per Hand ausfüllen und verschicken“, stöhnt er. Kleine Sorgen, von denen Jesus keine Ahnung hatte und die doch ein Programm zum Platzen bringen können, wenn die Instrumente nicht rechtzeitig auf der Bühne sind oder der Moderator vor dem Parkhaus feststeckt. Als „Bereichsleiter Programm“ hat Kratel aber auch eine handvoll wichtiger Politiker im Blick, etwa Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundespräsident Horst Köhler oder EU-Präsident José Barroso. „Für diese Leute machen wir minutengenau Ablaufpläne von der Landung des Hubschraubers bis zur Abreise.“ Alles ist darin verzeichnet: wer sie begrüßt und begleitet, vor welchem Spiegel das Make-up aufgefrischt wird und wann das Bundeskriminalamt mit Spürhunden nach Sprengstoff sucht.
Hat Kratel auch Angst vor dem „Super-Gau“, etwa einem tätlichen Angriff auf Promis? „Nicht wirklich“, sagt er, und denkt an seinen kleinen weißen Zettel mit dem Satz von Nehemia, den Jesus im Evangelium aufnimmt: „Macht euch keine Sorgen.“ Überhaupt sind Notfallpläne nicht im Gepäck. „Das müssen wir abwarten und zur Not improvisieren“, meint Joachim Krieg zu dem Ernstfall, dass Helfer ausfallen. Frei nach Jesus: „Sorgt euch nicht um morgen, denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen.“ Auch Katrin Dorgeist hat keine Angst davor, dass das größte Osna­brücker Hotel einen Wasserschaden erleiden könnte. „Da würden wir schon eine Lösung finden.“ Bei aller Hektik und Sorge um Details: Gelassenheit und ein gesundes Gottvertrauen ist spürbar. Und die Botschaft Jesu. „Wer von euch kann mit all seiner Sorge sein Leben auch nur um eine kleine Zeitspanne verlängern?“ Denn, so Joa­chim Krieg: „Es gibt noch Wichtigeres als den Katholikentag.“
Anfreunden können sich die drei mit dem, was Jesus der falschen Sorge gegenüber stellt: „Euch aber muss es um das Reich und seine Gerechtigkeit gehen.“ Genau, sagt Andreas Kratel, das ist ja gerade das Thema des Katholikentags: die Zukunft – im Hier und Jetzt und darüber hinaus. Auch Katrin Dorgeist und Joachim Krieg sehen sich nicht als Reiseveranstalter, die Jugendlichen schöne Tage organisieren. „Denen geht es doch nicht nur um einen Event. Die sehen auch das Tiefgründige, das Gemeinschaftserlebnis und den Glauben.“ Insofern sind die Drei und ihre vielen haupt- und ehrenamtlichen Kolleginnen und Kollegen eben nicht die „Heiden-Abteilung“, die sich nur um Essen und Trinken und Unterkunft sorgt. Sie sorgen sich vielmehr im Kleinen um das große Reich Gottes. Wohl wissend, dass Essen und Trinken und Unterkunft auch dazu gehören.
Susanne Haverkamp


23.05.2012
Impressum | Kontakt
4002