Aktuelle Ausgabe
2012-20

Caritasverband Lünen-Selm-Werne blickt auf 40-jähriges Bestehen zurück

„Junge, das musst Du machen!“

Pfarrer Franz Meurer (2. v. r.) aus Köln sprach auf Einladung der Caritas-Führung zum heutigen Verständnis von Respekt, Würde und Erfolg. Foto: Plamper

Lünen. Es ist zwar kein richtiges „offizielles“ Jubiläum, denn erst vier Jahrzehnte sind seit der Gründung des Caritasverbandes Lünen-Selm-Werne vergangen. Trotzdem nahmen die Verantwortlichen der Organisation die Gelegenheit am Jahrestag wahr, mit Kirchenvertretern sowie Verantwortlichen aus Politik und Gesellschaft Resümee zu ziehen und vor dem Hintergrund des „Umbruchs in der Kirche“ einen Blick in die Zukunft zu werfen.

von Elisabeth Plamper

Nach einem feierlichen Gottesdienst in der St.-Marien-Kirche fand der Empfang zum „Geburtstag“ des Caritasverbandes im Pfarrheim statt. Der erste Vorsitzende Dieter Weidemann fasste in seiner Begrüßungsrede die Eckpunkte der Verbandsgeschichte zusammen. „Junge, das musst Du machen“, mit diesen Worten bekam einst der Lüner Hans Krämer vor mehr als 40 Jahren den Auftrag vom damaligen Prälat Joseph Becker und Direktor des Caritasverbandes für das Erzbistum Paderborn, einen Caritasverband zu gründen.
Hans Krämer, damals Diözesanjugendführer im Erzbistum Paderborn, hatte zuvor im Jugendwohlfahrtsausschuss der Stadt Lünen den Zuschlag erhalten, im Auftrag der Stadt eine Erziehungsberatungsstelle aufzubauen und zu betreiben.
Doch dazu bedurfte es zunächst eben der Gründung eines entsprechenden Verbandes. Im Mai 1969 war es dann soweit. Als sein „eigener Chef“ und einziger Mitarbeiter bezog er sein erstes Büro. „Ich hätte meinem Spiegelbild Anweisungen erteilen können“, erinnert sich Krämer gern. Das Geld für die Finanzierung kam aus Paderborn. Im November 1972 wurde dann die Beratungsstelle eröffnet.
„Was braucht die Bevölkerung, was können wir machen?“ Ein Leitsatz, der die karitative Arbeit von Hans Krämer und seinen späteren Mitarbeitern prägte, und den Ausbau des Caritasverbandes und seiner Angebote vorantrieb. Heraus gekommen ist ein ganzes Sortiment an sozialer Hilfeleistung wie beispielsweise der Hausnotrufdienst, die Sprachschule für Aussiedler oder die Kurzzeitpflege. Aus dem „Ein-Mann-Unternehmen“ ist inzwischen ein mittelständisches Dienstleistungsunternehmen im „Geist christlicher Nächs­tenliebe“ geworden. Die nachhaltige Unterstützung aus Paderborn und engagierte Mitstreiter vor Ort machten es möglich. So konnte bereits 1981 auch das Altenzentrum St. Norbert seine Arbeit aufnehmen. Nach dreißig Jahren zog sich Hans Krämer 1999 in den Ruhestand zurück. Außerdem erinnerte Weidemann an Lorenz Werthmann, den Begründer des Deutschen Caritasverbandes. „Tradition ist nicht das Halten der Asche, sondern das Weitergeben der Flamme.“ Caritasarbeit als ein gemeinsames Werk engagierter Christen zu verstehen, Brücken zu bauen und Netze zu knüpfen, das seien die Anliegen.
Als Gastredner hatte die Verantwortlichen den „Ghetto-Prediger“ Franz Meurer gewonnen. Er ist katholischer Pfarrer in Köln-Vingst. In seiner oft unkonventionellen Weise bringt er zahlreiche „Schäfchen“ zurück in die Kirche. Franz Meurer geht es, wie er selbst in seinen Ausführungen immer wieder deutlich macht, in erster Linie um „Respekt, Würde und Erfolg“.
Befürworter der Arbeit Meurers sehen seinen Idealismus in der Struktur seiner Gemeinde, die er seit zwölf Jahren als Seelsorger betreut, verwurzelt. Es ist ein Arbeiterviertel mit knapp über 20000 Menschen. Rund ein Fünftel sind laut Statistik Sozialhilfeempfänger und jeder dritte Ausländer. Eine Konstellation, die ein harmonisches Zusammenleben realistisch gesehen nur bedingt möglich macht.
„Glück braucht einen Ort“, zitiert stattdessen Meurer Peter Handke und versteht Kirche als „öffentlichen Raum“, in dem jeder seinen Beitrag zu leisten hat, getreu dem Grundsatz „Jeder verdient eine Chance und vor allem Respekt.“
Geschäftsführer Jörg Klärner nahm die Veranstaltung zum Anlass, allen Mitarbeitern und Ehrenamtlichen seinen Dank für Engagement und Einsatz auszusprechen und erinnerte abschließend auf die aktuelle Caritas-Aktion „Respekt – Alles andere kommt mir nicht in die Tüte“.


23.05.2012
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