Aktuelle Ausgabe
2012-20

Höxter: Ministrantenarbeit als Glaubensgespräch

Junge Menschen – fester Glaube

Messdiener der Gemeinde St. Nikolaus Höxter mit ihrer „Wandermadonna“, die sie im Pastoralverbund jeden Mai von Haus zu Haus wandern lassen.Foto: Schleyer

Höxter. In der Gemeinde St. Nikolaus formte sich aus den Ministrantengruppen eine Art geistliche Gemeinschaft. 

von Richard Schleyer 

Unter den 45 Messdienern der Pfarrgemeinde St. Nikolaus in Höxter herrscht ein besonderer Geist. Nicht nur, dass sie sich während der Messe um eine bewusst andächtige Haltung bemühen, keine Kniebeuge nachlässig vollziehen und jede Geste innerlich mitvollziehen. Diese jungen Menschen sprechen unbefangen davon, dass sie die Freundschaft mit Jesus, wie sie sie in der Eucharistie erleben, auch mit in ihren Alltag nehmen wollen. Im Gespräch mit ihnen wird deutlich: So jung an Jahren diese Jugendlichen und junge Erwachsenen auch sein mögen, sie haben einen intensiven geistlichen Reifungsprozess hinter sich. Sie wissen, wovon sie reden, sind innerlich ergriffen von dem, was sie tun, und haben sich doch ihre jugendliche Unbekümmertheit bewahrt. 

Zusammengeschweißt hat diese junge Truppe der frühere Höxteraner Vikar Daniel Jardzejewski. Er gestaltete die monatliche Ministrantenstunde als eine Art Glaubensgespräch. Er verstand es, eine Atmosphäre zu schaffen, in der die Kinder und Jugendliche über ihre persönlichen Glaubenserlebnisse reden konnten. In ihren Seelen verankerte sich dieser Satz ganz fest: „Jesus ist mein Freund und hält zu mir.“ In allen möglichen Variationen spielten die jungen Menschen in ihren Mini-Treffen diesen Gedanken auf verschiedene Lebenslagen hin durch. Und fanden immer neue Methoden, um auch den Kleineren das Thema „Jesus, mein Freund“ nahezubringen. So zogen diese durch Höxter, um Christusdarstellungen aufzuspüren und zu fotografieren. Und bis die daraus entstandene Präsentation fertig war, bot sich viel Gelegenheit, über Jesus zu sprechen und wie die Freundschaft mit ihm in das eigene Leben hineinwirkt. 

„Dass wir einen Kreis hatten, in dem wir so offen über unsere Fragen und unseren Glauben sprechen konnten, dass da eine Gemeinsamkeit im Glauben gewachsen ist, das hat uns zusammengehalten.“ Davon zeigt sich der 23-jährige Daniel Knepper überzeugt. Diese geistliche Gemeinschaft ist es, die die älteren Minis-tranten in Höxter bei der Stange hält, bestätigt auch Sebastian Stiewe, ebenfalls 23 Jahre alt und inzwischen Theologiestudent im vierten Semester. Von den 45 St.-Nikolaus-Ministranten sind 19 schon ältere Jahrgänge. Wer über 16 ist, rückt automatisch in die Leiterrunde auf und übernimmt dort bestimmte Aufgaben. Seit „ihr“ Vikar versetzt wurde, gestaltet die Leiterrunde ihre Ministrantenarbeit organisatorisch wie geistlich selber. Und so nebenbei sind ihr noch einige andere Aufgaben in der Gemeinde zugefallen. Sie übernehmen Betstunden und Adventsbesinnungen. Im Marienmonat Mai organisierten sie die Rundreise ihrer „Wandermadonna“ durch den Pastoralverbund. In den jeweiligen Häusern fanden private Gebetsgottesdienste statt. Oft blieben die jungen Marientransporteure auch kurze Zeit da und sprachen nach der Ankunft der Madonna mit den Hausbewohnern einige Gebete. Vor allem gestalten die jungen Ministranten inzwischen die mit einer eucharistischen Anbetung gekoppelte monatliche Gebetstunde um geistliche Berufe. Dieser Einsatz werde auch in der Gemeinde anerkannt, wenn auch manche der plötzlich so frommen Erscheinungsform ihrer Ministranten zunächst nicht ganz getraut haben, wie Sebastian Stiewe schmunzelnd eingesteht. „Den älteren Gottesdienstbesuchern stehen manchmal Tränen in den Augen, wenn sie uns hinterher ansprechen: Dass ihr jungen Leute das so schön macht, das freut uns.“ Mit dem Vorbereiten der Anbetungsstunden kommt in der Ministrantenrunde immer wieder das Thema Berufung auf die Tagesordnung. Der 19-jährigen Ruth Weber ist dabei klar geworden, dass der Ruf Gottes jedem gilt, nicht nur für die geistlichen Berufe. „Auch Ehe und Familie sind Berufungen!“ Und in ihrem 16-jährigen Bruder Joachim ist der feste Glaube gewachsen, dass Gott ihm seinen Weg weisen wird. Der fröhliche Ernst, mit dem er das sagt, beweist: Diese jungen Menschen reden nicht nur daher, sie sprechen aus innerer Überzeugung. Ihr Glaube ist echt und sie haben gelernt, ihn einander mitzuteilen.

 


23.05.2012
Impressum | Kontakt
4002