Im Jugenddorf Petrus Damian in Warburg finden seelisch verletzte Kinder neuen Halt
Jugendlichen wieder Werte vermitteln
Warburg. Elmar Schäfer leitet seit kurzem das Jugenddorf Petrus Damian in Warburg. Zu seiner Amtseinführung hatte sich der 40-jährige Sozialpädagoge das Motto „Wir bleiben dran“ ausgewählt. Woran? Am Engagement für Kinder und Jugendliche. Das steht im Jugenddorf Petrus Damian auf der Prioritätenliste ganz oben.
von Sandra Wamers
Im Jugenddorf Petrus Damian wird sich seit über hundert Jahren für Kinder und Jugendliche eingesetzt. Seit der Gründung der Jugendhilfeeinrichtung anno 1904 hat sich natürlich viel verändert. Früher habe die Betonung auf dem Begriff „Dorf“ gelegen, erzählt Elmar Schäfer. „Es war wirklich ein Dorf. Die Jugendlichen lebten komplett hier.“ Es habe eine Komplettversorgung gegeben: Vom Friseur bis zum Schuster samt Schwimmbad war alles im Jugenddorf vorhanden. Auch der Blick in die angegliederte Schule, dem Damianeum, sah ähnlich aus: unten Schule, oben Schlafsäle. „Das war früher das Heim mit 300 Jugendlichen zu Spitzenzeiten“, sagt Elmar Schäfer. Mit dem Reformwillen der 1968er-Generation wurde diese Komplettversorgung aufgegeben. „Letztendlich war es früher eine Ausgrenzung“, sagt Schäfer. „Aber das Jugenddorf war damals schon fortschrittlich. Es war eine großes Gelände mit vielen Gebäuden.“ Trotzdem sei es immer noch zu geschlossen, abgeschirmt gewesen. In den achtziger Jahren begann die weitere Ausdifferenzierung. Dieser Prozess dauere bis heute an. Zu Beginn habe es zwei Gruppen pro Haus mit zwölf Kindern gegeben. Heute lebt eine Gruppe mit neun Kindern in einem Haus. Auch die Mehrbettzimmer wurden durch Einzelzimmer ersetzt. „Der Einzelne wird heute stärker in den Blick genommen. Wir wollen jedem Kind und jedem Jugendlichen helfen, seinen eigenen Weg zu gehen“, betont Elmar Schäfer.
Statt alles in eigener Regie zu führen, würden jetzt gezielt Schwerpunkte gesetzt. Zu den besonderen Angeboten gehören im Jugenddorf die Mutter-Kind-Gruppen. Diese Plätze wurden weiter ausgebaut. Bis 2012 sollen 15 junge Mütter mit ihren Kindern Begleitung in Erziehungsfragen finden. Auch das verstärkte Einbeziehen der Eltern gehöre mit zu den Paradigmenwechsel in der Jugendhilfe. „Diese frühen Hilfen sind sehr wichtig“, sagt Leiter Schäfer. Heute gelte verstärkt: „Die Rückführung in die Familie anzustreben, weshalb wir enger mit den Eltern zusammenarbeiten müssen. Ab 18 Jahren streben wir mit den jungen Erwachsenen auf die Verselbständigung hin“, erklärt Elmar Schäfer.
Einen weiteren Schwerpunkt hat das Team vom Jugenddorf mit dem Konzept zu den heilpädagogischen Intensivgruppen gesetzt. Vorrangig Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren besuchen die Hubertus- und Felixgruppe im Jugenddorf. Dort erhalten Kinder, die aufgrund erlebter Traumata herausfordernder in ihrem Verhalten sind, eine besondere Betreuung. Zum Beispiel arbeiten dort Heilpädagogen als Gruppenleiter.
Es sind traumatisierte, verletzte, geschlagene Kinder, die im Jugendhaus Petrus Damian Halt finden. Genau wie junge Mütter, die gewollt oder ungewollt schwanger werden. Es kann auch das Kind von nebenan sein, das in der Pubertätsphase Grenzen sprengt. Dann sind pädagogische Experten gefragt. „Allerdings dürfen wir die Kinder und Jugendlichen nicht auf ihre Probleme reduzieren, sondern wir müssen auch nach ihren Ressourcen, Talenten und Fähigkeiten schauen und sie darin fördern und unterstützen“, betont Elmar Schäfer. Nach kurzem Grübeln fügt er an: „Es geht darum, Bindungen aufzubauen und zugleich Werte zu vermitteln. Dazu gehören auch – so konservativ es klingt – klare Grenzen und Konsequenzen in der Erziehung.







