Pfarrer Klemens Armbruster über die theologischen Hintergründe der Erwachsenenkatechese
„Jesus will einen neuen Anfang machen"

- Klemens Armbruster wurde 1958 geboren. Studium der Theologie, 1988 Priesterweihe, 1992 offizielle Beauftragung zur Evangelisierung und Glaubensverkündigung im Stadtdekanat Mannheim. Seit 1995 jährliche Einführungsseminare für Hauptamtliche zum Thema „Evangelisierende Gemeindespastoral“, 1999 Buchveröffentlichung „Von der Krise zur Chance. Wege einer erfolgreichen Gemeindepastoral“. Seit 2000 ist Armbruster Referent für „Evangelisierende Gemeindepastoral – Wege erwachsenen Glaubens“ im Erzbischöflichen Seelsorgeamt in Freiburg.
„Glaube beginnt mit einer Antwort auf den Ruf Gottes“, schreibt der Freiburger Pfarrer Klemens Armbruster in seinem Gastbeitrag. Der Freiburger Referent für Evangelisierende Gemeindepastoral beleuchtet darin die theologischen Hintergründe der Glaubenskurse für Erwachsene.
von Klemens Armbruster
Im Jahre 2001 schrieben die deutschen Bischöfe, dass nur wenige der im Kleinkindalter Getauften gradlinig in eine erwachsene Identität als Christ finden. Selbst da, wo Heranwachsende noch ein christliches Umfeld und eine religiöse Erziehung erfahren, heißt das nicht unbedingt, dass sie auch als Erwachsene bei ihrer christlichen Identität bleiben. „Das einstige katholische Milieu mit seinen vielfältigen stützenden Funktionen ist mehr oder weniger weggefallen; das sichere Netz, in dem die ererbte und übernommene christlich-kirchliche Identität aufgehoben war, hat sich – vielleicht bis auf einzelne Reste – aufgelöst.“ Deshalb braucht es, so die Folgerung der Bischöfe, „eine – erwachsenen Menschen gemäße – Initiation in den christlichen Glauben“. Was ist mit „erwachsenengemäß“ und mit „Initiation“ gemeint?
Einen Zugang zu diesen Begriffen findet sich im biblischen Verständnis von Glauben. Die Bibel hat grundsätzlich Erwachsene vor sich, die zum Glauben berufen werden. Erwachsen zu glauben, geht nämlich anders, wie als Kind oder als Jugendlicher zu glauben. Kinder- und Jugendliche hängen im Vielen von den Eltern, Großeltern und vom Lebensumfeld ab. Der Glaube der Kinder und Jugendlichen ist immer auch auf die Erwachsenen bezogen. Erwachsen werden ist jetzt nicht bloß die Erlaubnis bekommen, alles allein machen zu dürfen, was bisher nur mit den Erwachsenen zusammen möglich war. Sondern Erwachsen sein heißt, in die Welt hinauszuziehen und sie zu gestalten, die eigene Wohnung einzurichten, seinen Beruf zu ergreifen, seinen Lebenspartner zu wählen. Erwachsensein bedeutet, auszuziehen in die Fremde, eben auch in die Fremde des Glaubens.
In der Bibel heißt „zum Glauben kommen“ in die Fremde weggerufen werden. Der biblische Typos dafür ist Abraham: „Zieh weg aus deinem Land, von deiner Verwandtschaft und aus deinem Vaterhaus in das Land, das ich dir zeigen werde.“ (Gen 12,1) Maria wird in etwas Fremdes hineingerufen und muss ihr Lebenskonzept umstellen. Jesus verlässt nach seiner Jordantaufe Nazareth. Andreas und Simon lassen die Netze des Vaters liegen. Maria Magdalena verlässt den Ort. Paulus ist nach seiner Bekehrung drei Tage blind. Priscilla und andere Frauen stellen nach ihrer Bekehrung ihr Haus dem neuen und fremden Christentum zur Verfügung.
„Auf der Linie des Abrahamglaubens“, so schrieb Josef Kardinal Ratzinger, Benedikt XVI., „können wir über den christlichen Glauben sagen, dass niemand ihn einfach als ein Eigenes vorfindet. Er kommt nie aus dem bloß Eigenen. Er bricht von außen ein. Das bleibt immer so. Niemand wird als Christ geboren, auch nicht in einer christlichen Welt und von christlichen Eltern. Immer kann sich Christentum nur als neue Geburt ereignen. Der christliche Glaube, ist ein Ereignis, das von außen her auf uns zutritt. Der Glaube beruht darauf, dass uns etwas (oder jemand) begegnet. Genau dies ist mit dem Begriff der Offenbarung gemeint: Das Nicht-Eigene, im Eigenen Vorkommende, tritt auf mich zu und reißt mich aus mir heraus, über mich hinaus, schafft Neues. Keiner ist Christ aus sich selbst, sagten wir; jeder ist es nur durch «Bekehrung». Aber dies freilich glaubt der Christ, dass uns der lebendige Gott in Christus auf eine einzigartige Weise ruft.“
Christlicher Glaube beginnt nicht mit der Übernahme einer Erbschaft oder einer vorgefundenen Tradition. Christlicher Glaube beginnt nach Ratzinger mit einer Berufung ins Fremde. „Der Glaube“, so sagt es das Direktorium für Katechese, „ist eine persönliche Begegnung mit Jesus Christus, in der man sein Jünger wird.“ Glaube beginnt mit der Antwort auf den Ruf Gottes, in die Lebensgemeinschaft mit Jesus Christus einzutreten – biblisch gesagt: sein Jünger zu werden. Damit sind wir beim Verständnis von „Initiation“. Eine Initiale ist ein Anfangsbuchstaben; eine Initiation will zum Anfang eines Weges führen. „Wege erwachsenen Glaubens“ verstehen sich als „eine – erwachsenen Menschen gemäße – Initiation in den christlichen Glauben“. Dabei begleiten Christen andere Erwachsene an den Punkt, wo Jesus Christus mit ihnen einen neuen Anfang machen will.






