Aktuelle Ausgabe
2012-20

Kommentar

Integration am Ball

Am vergangenen Sonntag endete die Europameisterschaft. Nach 44 Jahren holte sich Spanien wieder die europäische Fußballkrone, für Deutschland sprang am Ende der zweite Platz heraus. Im Turnierverlauf  fielen dabei nicht nur der oft begeisternde Offensivfußball auf, sondern auch, dass in vielen Mannschaften eingebürgerte Spieler mitkickten.

Nun ist also auch sie vorbei, die Europameisterschaft. Nach insgesamt 31 Spielen konnte sich Spanien am Sonntagabend in Wien feiern lassen. Ausgelassen bejubelten die spanischen Spieler den ersten Titel für ihr Land nach 44 Jahren. Unter ihnen ein eingebürgerter Brasilianer. Am Rande des Spielfeldes hockten derweil die deutschen Spieler. Deutsch? Im Finale standen mit Podolski und Klose zwei gebürtige Polen auf dem Platz, mit Gomez trat der Sohn eines Spaniers gegen dessen Heimatland an und Kuranyi hat drei Staatsangehörigkeiten. Zudem hatten die Deutschen in Trochowski, Neuville und Odonkor noch weitere „Ausländer“ im Kader.
In der deutschen Nationalmannschaft scheint sich nun also auch die heutige Multi-Kulti-Gesellschaft abzubilden. Denn „rein deutsch“ ist Deutschland schließlich schon lange nicht mehr; Menschen aus allen Ländern der Welt leben mittlerweile bei uns. Da scheint es nur konsequent, dass sich der Bevölkerungsquerschnitt langsam auch in der Deutschen liebstem Kind, nämlich der Nationalmannschaft, durchsetzt.
Auch wenn nun in Wien der ganz große Triumph verpasst wurde, kann der Erfolg, den die Spieler der deutschen Mannschaft erreicht haben, ein Vorbild für die Integration sein: Zusammen leben, zusammen arbeiten, zusammen Erfolg haben, zusammen feiern. Und auch unverbesserlichen Rassisten wird so der Wind aus den Segeln genommen: Denn wie kann man Ausländer beschimpfen, wenn die gleichzeitig für uns wichtige Tore bei Welt- und Europameisterschaften erzielen? Ein ähnliches Bild findet sich übrigens in der französischen und niederländischen Mannschaft, in der zahlreiche dunkelhäutige Spieler dabei sind: das Erbe der Kolonien hat schon längst den Fußball erreicht.
Doch bei aller Freude über gelingende Integration: Ein schaler Beigeschmack bleibt schon, wenn ausländische Fußballer nur zu Erfolgszwecken eingebürgert werden, wie beispielsweise bei den Türken oder Europameister Spanien.
Birger Berbüsse (26)
ist Volontär beim DOM


23.05.2012
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