Aktuelle Ausgabe
2012-20

Gedanken zum Evangelium

In die Zukunft – in der Nachfolge Jesu

Diakon Klaus Krüger ist Polizeiseelsorger und Mitarbeiter am Johann-Adam-Möhler-Institut für Ökumenik.

Der Ruf in die Nachfolge Jesu ist ein Ruf zu einem Leben mit Zukunft. Darin sieht Diakon Klaus Krüger die Kernaussage des Evangeliums vom 13. Sonntag im Jahreskreis. 

von Klaus Krüger 

Sind Jakobus und Johannes Terroristen, die Menschen „mit Feuer vom Himmel“ vernichten wollten, nur weil diese kein Zimmer frei hatten? Wie war das an anderer Stelle mit dem ungläubigen Thomas, Petrus dem Verleugner und Judas dem Verräter? Ein bemerkenswertes Team in der Nachfolge des Herrn. Das überrascht nicht; denn wer dem Herrn nachfolgen will, dem muss auch das Sterben und der Tod des eigenen Vaters egal sein und der darf kein Problem damit haben, Frau und Kinder im Stich zu lassen. „Lass die Toten die Toten begraben“ und wer sich umdreht und Skrupel zeigt, „taugt nicht für das Reich Gottes“.

In diesem Text die Botschaft des Evangeliums zu erkennen, ist für mich immer wieder spannend.

Jesus hatte wie jeder „Prominente“ Fans und Neider. Manche Fans bejubeln Popstars, obwohl sie die Texte nicht verstehen, weil Englischkenntnisse fehlen. Inhalte spielen keine Rolle, solange die Show stimmt. Auch bei Christen ist es nicht leicht, diejenigen, die ihren Glauben aus tiefem und ehrlichem Herzen bekennen, von denen zu unterscheiden, die sich wichtig tun, aber nur Spaß oder eigene Interessen im Sinn haben.

Woher der Fanatismus kam, Herbergen vernichten zu wollen, bleibt offen. Aber das Evangelium sagt, dass Christus die Jünger zur Besinnung brachte. Sie waren keine Fans. Sie gehörten zu denen, die mit tiefer Sehnsucht Leben, Sinn und Glauben suchten.

In meiner Not, den Text zu verstehen, erinnerte ich mich an eine Nachtschicht als Polizeiseelsorger. Kurz nach Mitternacht brachten Beamte einen 15-Jährigen auf die Wache, den sie bei einem Garageneinbruch gestellt und festgenommen hatten. Bevor die Eltern den Jungen abholen mussten, hatte ich Gelegenheit, mit ihm allein zu sprechen. Nachdem klar war, dass dieses Gespräch keine „Vernehmung“, sondern vertraulich war, sprach der Junge offen über Hoffnungslosigkeit und Frust.

Dieser 15-jährige Bengel war fast noch ein Kind und längst noch kein Mann. Er sah keine Zukunft, weil er in der Gegenwart totales Scheitern erfuhr, keine Perspektive erkennen konnte und sich selbst für „Müll“ in unserer Gesellschaft hielt.

Schneller als Fans verstehen Suchende das Evangelium von der Nachfolge. Beispielsweise ein 15-Jähriger, der keine Perspektive hat, ein 50-Jähriger, der vergeblich Arbeit sucht; Menschen, die unter Krankheit, Verlust, Überforderung leiden; Menschen, die keine Zukunft mehr sehen, weil sie die Hoffnung verloren haben.

Antworten auf Hoffnungslosigkeit sind eben nicht Garageneinbruch, Frust, Verleugnung, Verrat oder Suizid, sondern radikale, mutige Entscheidungen für das Leben. Die manchmal radikale Sprache des Evangeliums ist für Hilfesuchende auch noch im Getöse der Hoffnungslosigkeit zu verstehen. Christus macht eine klare Ansage. Folgt mir nach, zurück in die Zukunft, die ihr aufgegeben habt!

Er braucht keine Fans, die sich im Licht eines Superstars sonnen, und erst recht keine Fanatiker, die Andersdenkende mit „Feuer vom Himmel“ vernichten. Die, die so denken, weist er zurecht, sie müssen umdenken oder sie gehören nicht mehr zu ihm.

Andere, die erst noch von ihrer Familie Abschied nehmen oder ihren Vater begraben wollen, sind Fans, die den Text nicht verstanden haben. Die Radikalität, die Jesus für die Nachfolge einfordert, ist die Entscheidung für das Leben, das eigene und das der anderen. Das bedeutet auch, alles zu überwinden, was dem Vertrauen auf Gott und seiner Liebe im Weg steht. Wer sich in der Realität der Welt dafür entscheidet, Christ zu sein, für den hat die Zukunft gerade erst begonnen.


23.05.2012
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