Aktuelle Ausgabe
2012-20

Das „Morgenlob“ prägt seit mehr als 20 Jahren den Alltag der Hardehausener Bildungshäuser

In der Tradition der Zisterzienser

Engagieren sich für das tägliche „Morgenlob“ in Hardehausen, in den Händen das neue Gebetsheft (v. l.): Jugendpfarrer Stephan Schröder, Gisela Lux, Anni Heiduk, Gerd Schulte, Monika Porrmann, Georg Pahlke, Msgr. Konrad Schmidt und Dominik Stahl.Foto: Jonas

Hardehausen. Etwa 200 Gäste haben sie täglich zu versorgen: die beiden Bildungseinrichtungen des Erzbistums Paderborn in dem knapp 900 Jahre alten Zisterzienserkloster Hardehausen. Rund 80 Mitarbeiter in Jugendhaus und Landvolkshochschule machen ein umfangreiches und wechselndes Angebot. Doch eins ist in den letzten gut 20 Jahren unveränderter Bestandteil des Hardehausener Alltags: das Morgenlob. Und das ist keine Selbstverständlichkeit, selbst für kirchliche Bildungshäuser.

von Markus Jonas

„Junge Menschen kennen das gar nicht mehr“, sagt der Jugendpfarrer des Erzbistums und Rektor des Jugendhauses Hardehausen, Stephan Schröder. „Es ist wichtig, dass sie es kennenlernen“, ist er überzeugt. Aber natürlich sei dieses Angebot freiwillig für die rund 17 000 Jugendlichen, die pro Jahr im Jugendhaus an Kursen teilnehmen. Viele Jugendliche hätten kaum noch Bezug zur Kirche, hat Dominik Stahl festgestellt. Als Zivildienstleistender im Jugendhaus hat er sich an der Vorbereitung des Morgenlobs regelmäßig beteiligt. Viele fänden Kirche „uncool“, nähmen zu Beginn eines Wochenkurses auch nur sporadisch am Morgenlob um 8 Uhr in der kleinen Hauskapelle teil. „Doch Tag für Tag ist dann mehr Zuwachs“, hat er festgestellt. Die Offenheit für geistliche Impulse wachse im Lauf der Kurse.
„Das Morgenlob lässt einen eintauchen in die klösterliche Atmosphäre des Ortes“, sagt Stephan Schröder. Diese Atmosphäre versucht er auch durch andere kleine Maßnahmen zu unterstützen: durch Aufsteller mit Gebeten auf den Tischen des Speisesaals etwa, oder durch Tafeln, die im Foyer auf Gott hinweisen. Hinzu kommt: „Der Kreuzgang, der sakrale Raum spricht für sich“, sagt Monika Porrmann von der Landvolkshochschule. „Es gibt ein Bedürfnis nach Religiösem in der Tradition dieses alten Ortes.“
Mit dem täglichen gemeinsamen Gebet knüpfen die Mitarbeiter und Gäste an eine 700-jährige Tradtion an: Bis zur Säkularisation Anfang des 19. Jahrhunderts bestimmte der ständige Wechsel von Arbeit und Gebet der Zisterzienser den Alltag in Hardehausen. Bis vor einem Jahr wurde ­diese neue Tradition auch von den beiden Vincentinerinnen mitgeprägt, die in Hardehausen lebten. Zu Pfingsten wurden sie ins Mutterhaus nach Paderborn zurückgeholt. Doch Nachfolgerinnen sind in Sicht: Zwei Salzkottener Franziskanerinnen werden am 24. Oktober einen kleinen Konvent im ehemaligen Forsthaus in Hardehausen gründen. Unterstützung für den Kreis von rund zwölf Mitarbeitern, die sich bei der Vorbereitung des Morgenlobs bisher abwechseln.
Die beiden Priester in Hardehausen, Stephan Schröder und Msgr. Konrad Schmidt, Rektor der Landvolkshochschule, sind zu oft unterwegs, um dies leisten zu können. Und so kann sich jedermann beim Morgenlob einbringen, ob nun pädagogische Mitarbeiter, Zivildienstleistende oder Mitarbeiter aus der Verwaltung. Für die gehört das tägliche gemeinsame Gebet durchaus auch zur Qualität ihres Arbeitsplatzes. „Man denkt immer wieder an die Bibelworte aus dem Morgenlob“, erzählt Buchhalterin Gisela Lux. „Das kann einen ganz durch den Tag ziehen.“ „Dass man während der Arbeitszeit beten kann, das hat mir gut getan“, bekennt auch Dominik Stahl, der seine Zivildienstzeit in Hardehausen inzwischen beendet hat. Und: „Die kranken Mitarbeiter wissen, wir beten für sie“, sagt Georg Pahlke, stellvertretender Leiter des Jugendhauses.
Verwandten die Mitarbeiter zu Anfang noch viel Zeit auf die Vorbereitung des Morgenlobs, hat sich inszwischen eine feste Struktur herauskristallisiert, die die Vorbereitung einfacher macht. Ein neues Gebetsheft haben die beiden Bildungshäuser dafür jetzt drucken lassen. „Gebet mit zu umfangreicher Vorbereitung ist nicht praktikabel“, hat auch Msgr. Konrad Schmidt festgestellt. „Je einfacher und klarer, desto eher findet man Leute, die die Vorbereitung auch mal übernehmen“, sagt er schmunzelnd. Ein Lied, der Psalm des Tages, dann eine Lesung, ein paar eigene Gedanken, ein Vaterunser, ein Segensgebet, ein weiteres Lied – 15 Minuten, die den Tag nachhaltig beeinflussen können.
Wichtig ist den Hardehausenern, das Morgenlob immer durchzuführen, „ob nun lediglich drei Mitarbeiter da sind, oder die Kapelle brechend voll ist“, sagt Georg Pahlke. Dafür dass diese Tradition des immerwährenden Betens fortgeführt wird, dafür sorgt übrigens Anni Heiduk. Sie schreibt den „Dienstplan“. Und wenn für die Vorbereitung mal jemand ausfällt, springt sie ein.


23.05.2012
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