Aktuelle Ausgabe
2012-5

Die größte Barockorgel Westfalens ist nach Borgentreich zurückgekehrt

In 10000 Einzelteilen

Chefrestaurator Helmut Werner arbeitet in der Bautzener Firma „Hermann Eule Orgelbau“ am Stimmregister für die letzten der mehr als 3 000 Pfeifen der Borgentreicher Orgel. Foto: pa

Borgentreich (jon). Fünf Jahre lang wurde sie in Bautzen restauriert. Nun ist die größte Barockorgel Westfalens in die Kirche St. Johannes Baptist in Borgentreich zurückgekehrt – allerdings in 10 000 Einzelteilen. 20 Borgentreicher waren mehr als drei Stunden damit beschäftigt, die verpackte, acht Tonnen schwere Orgel vom Tieflader in die Kirche zu schaffen. Die nächsten zwei bis drei Monate wird der Orgelprospekt dort von fünf Orgelbauern wieder zusammengesetzt, bevor im Sommer dann auch die mehr als 3000 Orgelpfeifen nachkommen.

1998 stellten Wissenschaftler bei einem Symposium fest, dass die über 300 Jahre alte Orgel dringend restauriert werden muss. 2003 begannen die Planungen, die Restaurierung startete zwei Jahre später. Die Sanierung durch die Bautzener Orgelbaufirma kostet nach Angaben des Orgelfördervereins-Vorsitzenden Joachim Ohlrogge rund 1,7 Millionen Euro. Finanziert wurde das Projekt durch Mittel des Bundes, des Landes Nordrhein-Westfalen, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, der Stadt Borgentreich, des Erzbistums, der Kirchengemeinde und des Fördervereins.
Bevor im Sommer die Orgelpfeifen eingebaut werden, erhält der restaurierte Orgelprospekt eine einheitliche Farbfassung. Rund drei Monate lang wird die Orgel dann intoniert, bevor sie im Frühjahr 2011 eingeweiht wird. Die Borgentreicher hoffen, dass dazu auch Bundestagspräsident Norbert Lammert als Schirmherr kommen wird.
Die größte Herausforderung für die Orgelbauer war die Herstellung von etwa 1000 neuen Pfeifen. Chefrestaurator Helmut Werner musste für das richtige Herstellungsverfahren sogar in alten französischen Archiven forschen.
Das Besondere an der barocken Orgel ist ihre Bauform. Das Herzstück des Instruments sind sogenannte Springladen. Bei dieser weltweit kaum noch erhaltenen Technik stehen die Pfeifen auf Holzkästen, die den vom Gebläse kommenden Wind zur Klangerzeugung verteilen. Die Borgentreicher Orgel gilt als die größte erhaltene doppelte Springladenorgel der Welt.
Das Instrument wurde ursprünglich für die Klosterkirche der Augustiner in Dalheim erbaut. Nach der Aufhebung des Klosters im Jahr 1803 kaufte der Bürgermeister der Stadt Borgentreich die Orgel.


05.02.2012
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