Aktuelle Ausgabe
2012-20

Kommentar

Impfwillige eher verschnupft

Millionen von Impfportionen gegen die neue Grippe, auch unter dem Namen „Schweinegrippe“ bekannt, sind von den Herstellern ausgeliefert worden. Schon gibt es heftige Diskussionen um eine Zweiklassenimpfung und die Nebenwirkungen des Impfstoffes.

Gerd Vieler (53) ist
Chef vom Dienst des DOM

Seit Monaten füllt das Thema der zu erwartenden Grippepandemie um die sogenannte „Schweinegrippe“ die Schlagzeilen. Penibel wurde jeder mögliche Tote gezählt. Jetzt sind Millionen Dosen von Impfstoff einsatzbereit. Aber es hat den Anschein, dass in dieser Sache die Impfung selbst in den Hintergrund getreten ist. Durch die Diskussionen und die Meinung vom Rückgang der realen Bedrohung verunsichert, scheinen immer weniger Menschen im Land die Impfung überhaupt noch zu wollen. In den Vordergrund treten Diskussionen um Nebenwirkungen und Zwei-Klassen-Impfungen. Ob der Impfstoff selbst oder die Impfverweigerung schwerwiegendere Folgen haben wird, wird allein die Zukunft zeigen.
In der stimmungsgeladenen Sachdiskussion um die Zwei-Klassen-Impfungen von bevorzugten und benachteiligten Geimpften sind die meisten auf die Urteile der wenigen Fachleute in diesem Bereich angewiesen. Jede kleine Andeutung von ihnen wird zum Skandal hochstilisiert, weil allein die Vorstellung von Nicht-Gleichberechtigung die emotionalen Wellen hochschlagen lässt. Das füllt zwar die Schlagzeilen, trägt aber nicht zur Versachlichung der Diskussion bei. Denn die Frage lautet, verhindert die Massenimpfung mit rasch hergestellten und wenig getesteten Impfstoffen schlimmeres als das, was der Impfstoff selbst auf Dauer anrichtet?


23.05.2012
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