Aktuelle Ausgabe
2012-20

Kommentar

Immer mehr „Abgehängte“

von Andreas Wiedenhaus 

Bilder wie aus einem Bürgerkrieg: Was sich in London und anderen britischen Großstädten abgespielt hat, hatte mit der „Randale“, wie wir sie bisher aus westeuropäischen Städten kannten, nichts mehr zu tun. 

Premierminister David Cameron hat mit einem massiven Polizeiaufgebot erst einmal für Ruhe gesorgt. Bis in die englische Gesellschaft wieder Frieden einkehrt, wird es aber noch einige Zeit dauern. Und das auch nur, wenn sich wirklich dauerhaft etwas ändert. Darauf hat der Primas der anglikanischen Kirche, Erzbischof Rowan Williams, hingewiesen. Er fordert mehr Einsatz für die Bildung junger Menschen. Disziplin sei das eine, so der Erzbischof, Inhalte das andere. Es gehe um die Erziehung von Bürgern und nicht um die von Konsumenten, erklärte Williams völlig zu Recht.

Denn das Beispiel England zeigt mit erschreckender Konsequenz, wohin eine Gesellschaft abdriften kann, die die „Haste was, biste was“-Mentalität zum Ideal erklärt, und in der gleichzeitig die Zahl derjenigen immer größer wird, die schon als Jugendliche kaum reale Zukunftschancen sehen. Ohne Bildung und Beruf haben sie keinerlei Aussichten, die vermeintlichen „Werte“ einer aus den Fugen geratenen Konsumgesellschaft auf legale Weise zu erreichen.

Dass die Justiz jetzt mit aller Härte gegen diejenigen vorgeht, die ganze Straßenzüge in Schutt und Asche gelegt haben, ist absolut korrekt.

Das kann aber nur der erste Schritt sein. Der zweite Schritt muss ein Umdenken sein – nicht nur auf der britischen Insel. Denn die „Generation der Abgehängten“ wächst europaweit mit beängstigender Geschwindigkeit.

 

 


23.05.2012
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