Gedanken zum Evangelium
Im Glauben standhaft – offen für Neues
Bewahren und Bewähren – dieser Grundsatz gilt auch für den Bereich der kirchlichen Verkündigung und Pastoral.
von Johannes Hammer
Am 1. Mai dieses Jahres wurde Papst Johannes Paul II. seliggesprochen. Des Öfteren bezeichnete man ihn als den reisenden Papst, ganz im Sinne der apostolischen Tätigkeit, die ihr Vorbild in den bekannten Völkeraposteln Petrus und Paulus hat.
Im Matthäusevangelium hören wir: „Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen …“ (Mt 16, 18). Petrus hatte den Auftrag, die Kirche Gottes zu leiten, den rechten Glauben zu bewahren, das Fundament des Glaubens zu sichern. Beim notwendigen Bewahren des Glaubens, bei aller Bestandssicherung besteht die Gefahr, dass Glaube und Kirche erstarren und ihre Lebendigkeit verlieren. So wird, sich absetzend vom heiligen Petrus, bei der Beschreibung des Lebens des Apostels Paulus betont, er sei derjenige gewesen, der die Kirche Gottes für die Mission der Heiden öffnete und dadurch der Verkündigung die notwendige Kraft und Bewegung verlieh. Auf seinen drei Missionsreisen begegnete er unterschiedlichen Kulturen und Religionen. Er spürte zutiefst, dass die Botschaft Jesu Christi allen Menschen gilt.
Das bekräftigen auch die Schriftlesungen des 20. Sonntags im Jahreskreis: Im Buch Jesaja wird von den Fremden gesprochen, die sich dem Herrn angeschlossen haben. „… mein Haus wird ein Haus des Gebets für alle Völker genannt“ (Jes 56,7). Paulus erzählt im Brief an die Römer vom Erbarmen Gottes, welches Nichtjuden wie Juden zuteil werden soll (Röm 11, 29-32). Im Evangelium heilt Jesus die Tochter der kanaanäischen Frau. Ihr inständiges Bitten lässt Jesus erkennen, dass er nicht nur „zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel“ gesandt ist.
Im Jahr der Seligsprechung Johannes Pauls II. darf sich die Kirche, dürfen wir uns als Christen an den durch die Taufe und die Firmung gegebenen Auftrag Jesu erinnern. Beim Bewahren, Festhalten und Pflegen unserer Beziehung zu Christus geht es gleichzeitig um das sich Öffnen für das Neue, Ungeahnte des Lebens, einer sich wandelnden Welt.
Mut macht die kanaanäische Frau. Sie, die Heidin, versicherte sich des Beistands Jesu. Ihr inständiges Bitten, ihr starker Glaube hatte ihr geholfen. Plötzlich ist sie es, die den Herrn bereit macht, sich ihr zuzuwenden. Der Geist Gottes reißt Jesus aus gewohnten Bahnen heraus.
Im Blick auf die starken globalen Umbrüche gegenwärtiger Zeit bedarf es mehr denn je in der Praxis des Glaubens großer Standfestigkeit und gleichzeitiger Offenheit im Austausch miteinander, sei es in der eigenen Familie, im Freundeskreis, am Arbeitsplatz, in der christlichen Gemeinde oder in der Begegnung der Religionen und Nationen. Lassen wir uns dabei wie die Apostel damals oder wie Johannes Paul II. vom Geist Gottes leiten. Jesus sagte: „Geht hinaus in die ganze Welt, und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen!“ (Mk 16,15)
Eine Fürsprecherin mag dabei die Gottesmutter Maria sein. Wir begehen in diesen Tagen das Fest ihrer Himmelfahrt. Sie ließ sich vom Geist Gottes ergreifen, sprach das „Mir geschehe“ und empfing wie die Jünger Jesu am Pfingsttag den lebendig machenden Heiligen Geist.







