Aktuelle Ausgabe
2012-20

KAB St. Josef in Bergkamen-Rünthe feiert ihr 100-jähriges Bestehen

Im Glauben für die Gesellschaft

Rainer Schlüter, Marlis Lorkowski (Vorstand) und Anglika Schlüter sowie Dieter Lorkowski und Maria Dux (ebenfalls Vorstand) arbeiteten sich systematisch durch die umfangreiche Chronik des KAB St. Josef. Foto: Plamper

Rünthe. In braunes Leder ist die Chronik eingebunden, die Seiten haben eine leicht gelbliche Farbe angenommen, die Schrift sticht dunkel hervor. Die älteste Eintragung ist bereits über 100 Jahre alt.„Es war eine spannende Sache, unsere Geschichte einmal ganz zu lesen“, erzählen die Vorstandsmitglieder der KAB St. Josef Rünthe Rainer Schlüter, Marlis Lorkowski, Dieter Lorkowski und  Maria Dux. „Es ist auch ein Stück Rünther Zeitgeschehen.“  

von Elisabeth Plamper 

Der Ortsverein begeht in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen. Mit einer großen Jubiläumsfeier am 10. Oktober 2010 erinnern die KAB-ler daran, wie der Zusammenschluss von Arbeitnehmern in den schweren Zeiten zu Beginn des 20. Jahrhunderts zustande kam. Es war die Zeit, als die Industrialisierung explosionsartig voranschritt und niedrige Löhne für harte, körperliche Arbeit in den Fabriken und auf der Zeche das Leben der Menschen bestimmte.

Schließlich beschlossen diese, sich in Gruppen und Verbänden zu organisieren, um gemeinsam für bessere Arbeitsbedingungen zu kämpfen. „Unsere Vorfahren bezogen politisch und gesellschaftlich Stellung und standen treu zur Kirche“, fasst Rainer Schlüter zusammen. Sich der Gemeinschaft bewusst zu sein, um gemeinsam Veränderungen zu erreichen, das sei einer der Grundgedanken der KAB.

Bereits am 19. Dezember 1909 trafen sich einige katholische Männer aus Rünthe im Saale Rensing, um über die Gründung eines katholischen Arbeitervereins zu beraten, inspiriert vom damaligen Sekretär des Hammer Arbeitervereins. Die eigentliche Gründungsversammlung fand dann am 9. Januar 1910 statt. Etwa 20 Männer, „die genaue Zahl ist nicht bekannt“, so der Vorsitzende, gehörten damals zu den Gründungsmitgliedern. Als Mitgliedsbeitrag wird 30 Pfennig pro Person vermutet.

In den Folgejahren wuchs die Zahl der Mitglieder stetig und zu den monatlichen Treffen wurden Vorträge zur aktuellen kirchlichen, gesellschaftlichen und politischen Lage organisiert.

In den Niederschriften entdeckten die KAB-ler auch kleine Anekdoten. „Schmunzeln mussten wir, als wir die Anmerkung lasen, dass 1930 Walter Schäfer geehrt wurde, weil er dreimal das ,Vaterunser‘ auf eine Briefmarke geschrieben hatte.“ Zudem sei es auch erstaunlich, dass 1934 in einer Versammlung des verstorbenen Schriftstellers Heinrich Heine gedacht worden sei. Das letzte Protokoll während der Zeit des Nationalsozialismus wurde am 25. Mai 1935 geschrieben.

Die erste Fortschreibung erfolgte nach der Neugründung am 15. Dezember 1946. „Die Messen fanden damals nach dem Krieg in einer hölzernen Notkirche statt“, erinnert sich Schlüter. Zu Beginn der 1950er-Jahre sei dann damit begonnen worden, sich hartnäckig für den Bau einer neuen „richtigen“ Kirche einzusetzen. 1956 war es dann soweit.

1972 wurde Pater Theodosius von den Arnsteiner Patres aus Werne Präses. Nachfolger wurde 1985 der neue Pfarrvikar Pater Ludolf. Langsam habe das Gemeindeleben wieder Form angenommen. „Es wurden Prozessionen abgehalten und weihnachtliche Theaterstücke mit Schülern der Hellweg-Hauptschule und dem St.- Christophorus-Gymnasium Werne organisiert“, blickt Schlüter zurück.

Auch auf kommunalpolitischer Ebene setzten sich die KAB-ler ein und nahmen an den Mahnwachen vor der Zeche in Werne teil, als die Schließung bevorstand. Eine neue Ära begann für die KAB und die Gemeinde St. Clemens 2001 mit der Gründung des Pastoralverbundes (PV) zusammen mit St. Elisabeth Bergkamen und Herz-Jesu in Rünthe.

Neben den zahlreichen Aktivitäten in der Gemeinde, treffen sich die KAB-ler St. Josef zudem einmal monatlich. Beim gemeinsamen „Sonntagsfrühstück“ im Pfarrheim stehen dann wie jeher Vorträge und Diskussionsrunden zu aktuellen Themen aus Politik, Gesellschaft und Kirche auf dem Programm.

 


23.05.2012
Impressum | Kontakt
4002