Sprachpaten setzen sich in Delbrück für die Integration von Kindern ein
Im Einsatz für die Schwächsten
Delbrück. „Mach dich stark für starke Kinder“: Dieser Aufruf des Deutschen Caritasverbandes blieb in Delbrück 2007 nicht ungehört. Noch im selben Herbst nahmen die Delbrücker Sprachpaten erstmals ihre Arbeit auf. Junge Menschen zu fördern, die ihre Schwächen in der deutschen Sprache haben, ist ihr Ziel. Erreicht haben die Ehrenamtlichen allerdings bereits wesentlich mehr.
von Barbara Kroker
Die Erwartungen von Martina Baumhoff-Jost und Anneliese Hippauf jedenfalls wurden schon nach wenigen Wochen übertroffen. Auf vielleicht sechs freiwillige Helfer hatten die Caritas-Koordinatorin in der Region Delbrück und die Vorsitzende der Caritas-Konferenz St. Johannes Baptist in Delbrück gehofft, als sie das Projekt im Sommer vor zwei Jahren initiierten. Tatsächlich aber waren es zwölf Frauen aller Altersklassen, die zum ersten Informationsabend erschienen und voller Begeisterung ihre Mitwirkung zusicherten.
Von Anfang an zur Kooperation bereit war die offene Ganztagsschule der Delbrücker Johannes-Grundschule. Leiterin Cordula Austerschmidt begrüßt die Sprachpaten als willkommene Unterstützung bei der täglichen Hausaufgabenbetreuung. Auch Schulleiter Herbert Voß und sein Kollegium mussten nicht lange vom Sinn der Sprachförderung überzeugt werden. Sie halfen bei der Information der Eltern, deren Nachwuchs Probleme mit der Sprache hat.
Christina Stochl, die bereits seit Start des kreisweit einzigartigen Projektes nach den Herbstferien 2007 engagiert ist, erinnert sich noch genau an ihre erste Begegnung mit dem jungen Gabriel. „Mama, ich geh nicht zu das Frau“, entsetzte sich der Erstklässler und machte damit unfreiwilig selbst deutlich, warum er da war. Die gelernte Krankenschwester Christina Stochl, die inzwischen zur Integrationspädagogin umschult, nahm diese Zurückweisung sportlich. Als Mutter von zwei heute erwachsenen Kindern weiß sie schließlich, wie wichtig es ist, mit der nächsten Generation im Gespräch zu bleiben.
An Ideen, interessante Sprechanlässe zu schaffen, mangelt es den Ehrenamtlichen jedenfalls nicht. Die eine Ehrenamtliche räumt zu Hause beherzt ihre Küche aus, um die ihr anvertrauten Zöglinge mit alltäglichen Haushaltsgeräten bekannt zu machen. Ein Anderer nutzt jeden sonnigen Tag, um den Kindern die Gelegenheit zu geben, sich im Freien zu bewegen und sich mit Straßenkreide auf dem Pausenhof zu verewigen. „Wichtig ist, dass Lernen auch Spaß macht“, betont Erika Schledde, die vor gut einem Jahr über eine Freundin zu den Delbrücker Sprachpaten gekommen ist. Sie ist mit 71 Jahren die Älteste im Bunde. Für die frühere Volksbankangestellte, die in ihrer Jugend für fünf Jahre als Nanny in den USA arbeitete und der ein ruhiges Rentnerinnendasein heute viel zu langweilig wäre, bedeutet es jedes Mal selbst große Freude, die Fortschritte ihrer Schülerinnen zu sehen. Auch die Benimmregeln, auf deren Einhaltung Erika Schledde Wert legt, dürften ihren Schützlingen im weiteren Leben zugute kommen.
Ohne verbindliche Regeln geht es schließlich auch in dem Caritas-Projekt nicht. Wer seinen Nachwuchs zur Teilnahme anmeldet, verpflichtet sich immer gleich für ein Schuljahr und garantiert das regelmäßige Erscheinen des Kindes. Dreimaliges unentschuldigtes Fehlen führt zum Ausschluss.
Wie alle Mitstreiter führt darum auch Alexander Schwabe eine Anwesenheitsliste. Der 22-jährige gelernte Bankkaufmann engagiert sich seit etwa einem Monat und genießt die Arbeit mit den Schülern als Ausgleich zu seinem Praktikum im örtlichen Altenzentrum, mit dem er sich auf sein Studium im Fach „Soziale Arbeit“ an der Fachhochschule Bielefeld vorbereitet. Berührungsängste kennt er keine.
Aus dem Hintergrund unterstützt und entlastet werden die Delbrücker Sprachpaten übrigens von einem Arbeitskreis. Der kümmert sich sowohl um die fachliche Begleitung der Ehrenamtlichen als auch um gesellige Veranstaltungen wie etwa beim Frühlingsfest 2008 mit internationalem Büffet und Spielen. Über eine weitere Einbindung der Eltern in die Arbeit wird derzeit auch nachgedacht.







