Bischöfe und Kirchenvertreter erinnern sich an den 11. September 2001
„Ich habe noch nie einen Papst vor dem Fernseher gesehen“
Die meisten Menschen wissen noch ganz genau, wo sie am 11. September 2001 waren und was sie gefühlt haben, als sie von den verheerenden Terroranschlägen in New York und auf das US-Verteidigungsministerium in Washington erfahren haben. Die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) hat deutsche Bischöfe und Kirchenvertreter gefragt, wie sie „Nine Eleven“ erlebt haben:
„Ich war in Ferien in Süditalien, in Apulien. Wir haben einen schönen Ferientag verbracht und sind am Nachmittag in einen kleinen süditalienischen Ort gekommen. Dort hat eine Wallfahrt stattgefunden. Es wurde ein großer Gottesdienst gefeiert, und ein Bischof berichtete von furchtbaren Geschehnissen in New York und in Amerika. Es war aber alles noch vollkommen indifferent, es war nur die Rede, dass viele ihr Leben bei einem furchtbaren Terroranschlag verloren haben. Es war einfach diese Ungewissheit da, über dem ganzen Gottesdienst lag eine bleierne Schwere. Ich bin dann abends mit meinen Freunden in einer Pizzeria essen gegangen. Und da standen dann diese großen Bildschirme. Da sah ich dann erstmals dieses furchtbare Geschehen und diese schrecklichen Bilder, die mich seitdem begleiten und die ich auch immer noch in meinem Inneren trage: diese Not und diese schmerzverzerrten Gesichter, die Menschen, die aus den Hochhäusern springen, die Angehörigen, die sich kaum halten konnten angesichts dessen. Das war einfach furchtbar.“
Rainer Maria Woelki, Erzbischof von Berlin
„Zuerst habe ich die Ausmaße gar nicht begriffen. Erst als ich dann selber das Fernsehen angemacht habe und die Bilder sah und die Kommentare hörte, war mir klar, dass da etwas Schreckliches passiert war.“
Franz Vorrath, Weihbischof in Essen
„Ich war auf dem Weg nach Fulda, kurz vor meiner Amtseinführung. Und mitten in dieser Unruhephase des Packens und des Umzugs kamen diese dramatische Botschaft und die entsetzlichen Bilder, von denen wir uns politisch und auch innerlich nicht wieder erholt haben.“
Heinz Josef Algermissen, Bischof von Fulda
„Ich war damals in Duisburg und habe dort ein Zirkusprojekt für behinderte und nicht behinderte Jugendliche gemacht. Wir haben dann auch überlegt: Brechen wir das Zirkusprojekt jetzt ab? Und wir haben gesagt: Nein, wir machen weiter. Wir haben die richtige Entscheidung getroffen, weil wir damit in einem Stadtteil, der auch multikulturell besetzt war und ist, deutlich gemacht haben: Es klappt, dass verschiedene Nationalitäten und Religionen miteinander leben können.“
Dirk Tänzler, Bundesvorsitzender des BKDJ
„Ich war einfach sprachlos. Ich habe dann abends die vorgesehene politische Veranstaltung auch nicht mehr durchgeführt, habe bedrückende Bilder gesehen. Und über das Bild kommt einfach ein ganz starker Eindruck über ein unfassbares Geschehen. Von daher ist es bei mir im Inneren sehr lebendig.“
Alois Glück, Präsident des ZDK
„Ich hatte an jenem Nachmittag eine Ausbildungsveranstaltung. Und weiß noch, wie eine junge Teilnehmerin entsetzt in den Raum gestürmt kam und meinte, es gäbe Krieg. Ich habe dann sehr ruhig gefragt, was sie denn damit meine. Da erzählte sie von den schlimmen Anschlägen auf das World Trade Center in New York. Wir sind dann alle zum Fernsehen gegangen und anschließend in die Kapelle des Hauses und haben gebetet. Wir wussten, es gibt unendlich viele Opfer, aber es ist auch gut, für den Frieden und für Gerechtigkeit zu beten.“
Franz-Josef Overbeck, Bischof von Essen
„Johannes Paul II. hat mich erwartet, in Castel Gandolfo. Ich habe noch nie einen Papst vor dem Fernseher gesehen. Da sagte sein Sekretär zu mir: ‚Komm rein, der Heilige Vater sitzt in unserem Speisezimmer.‘ Und da saß er da und sagte immer zu mir: ‚Wie erklären Sie sich das? Wie erklären Sie sich das?‘ Er war fassungslos. Was hat er sich für eine Mühe gegeben über die Jahrtausendwende, das Heilige Jahr, die drei Vorbereitungsjahre – vielleicht wird uns jetzt ein neues Jahrtausend des Friedens bevorstehen. Und ich konnte nur sagen: ‚Heiliger Vater, ich bin genauso fassungslos.‘ – Er hat nur gesagt: ‚Der alte Gott lebt noch, der alte, ewig junge Gott lebt noch – aber eine Erklärung habe ich dafür nicht.‘“
Kardinal Joachim Meisner, Kölner Erzbischof
„Wir waren im Auto unterwegs in Blankenese zu einem Diplomatischen Empfang. Da sagte mein Chauffeur, ‚Herr Weihbischof, da ist etwas passiert‘. Im Autoradio haben wir dann diese schrecklichen Meldungen gehört. Ich dachte, es ist ein Weltuntergang. Es war fast eine apokalyptische Atmosphäre. Man wusste nicht, ob die Türme zusammenstürzen, was mit dem zweiten Flugzeug passiert. Der Diplomatische Empfang ist natürlich sehr kurz verlaufen, denn alle standen unter diesem Eindruck. Keiner wusste, wie es weitergeht. Wir waren erschrocken über das schreckliche Elend, was da Tausende Menschen erfahren haben, die sich aus den Fenstern stürzten, weil sie zu verbrennen drohten und sich erst recht in den Tod gestürzt haben.“
Hamburgs Weihbischof Hans-Jochen Jaschke
„Ich war in Basel und habe auf der Rückfahrt von den Anschlägen erfahren. Die schrecklichen Bilder habe ich dann erst abends im Fernsehen gesehen. Ich war voller Schrecken, weil ich mir nicht hatte vorstellen können, dass es möglich ist, Flugzeuge in das World Trade Center oder auch ins Pentagon fliegen zu lassen. Nach wie vor kann ich nicht begreifen, dass es Menschen gibt, die meinen, durch solch schreckliche Taten irgendjemandem zu nutzen. Das sind für mich fanatisierte, irregeleitete Menschen. Und vor allem hat das Ganze nichts mit Religion zu tun. Da kommt vielmehr ein Hass zum Ausdruck, der nur zur Zerstörung der Welt und der Zivilisation beitragen würde.“
Erzbischof Robert Zollitsch, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz







