Lukas-Hospiz Herne eröffnet Schulprojekt „Leben bis zuletzt“
Hospiz-Idee verbreiten
Herne. Das Lukas-Hospiz in Herne hat das Schul-Projekt „Leben bis zuletzt“ gestartet. „Hospize sind nicht nur ein Ort, sondern eine Idee, und dieser Idee haben wir uns von Anfang an verpflichtet gefühlt“, erklärte Hospiz-Leiterin Anneli Wallbaum im Hospiz. „Diese Idee wollen wir an die Menschen, vor allem junge Menschen, herantragen.“ An dem stadtweiten Projekt sind zehn Gymnasien, Gesamt-, Real- und Hauptschulen aus Herne und Wanne-Eickel beteiligt. Bis zu den Osterferien arbeiten rund 400 Schüler der Klassen 7 bis 12 unter der Anleitung des Journalisten-Teams „Zirkel“ aus Münster zum Themenbereich „Sterben
und Tod“.
Gisbert Fulland, Geschäftsführer der Lukas-Hospiz gGmbH, forderte, man müsse sich nicht nur mit dem Leben, sondern auch mit dem Tod ein ganzes Leben lang beschäftigen. „Ich freue mich besonders, dass das jetzt junge Menschen tun. Sie werden erleben, dass man Spaß am Hospiz haben darf“, so Fulland. Der Hospiz-Geschäftsführer fügte hinzu, es gehe bei dem Projekt auch um ein Signal gegen die aktuell wieder stark diskutierte aktive Sterbehilfe. „Wir können schwerkranken Menschen helfen, dass sie nicht leiden müssen, aber wir können und wollen ihnen nicht helfen, wenn ihr Leben verkürzt werden soll“, unterstrich Fulland. Insofern dürfe man Ärzten nicht die Freiheit geben, bei einem Suizid Assistenz zu leisten, widersprach er der jüngsten Empfehlung der Bundesärztekammer.
Projektleiter Gerd Felder betonte, das Lukas-Hospiz und das „Team Zirkel“ wollten mit dem Schul-Projekt der Sprachlosigkeit der Gesellschaft beim Thema Sterben entgegenwirken. Bei den Schulen in Herne habe er einiges an Überzeugungsarbeit leisten müssen, um sie für das Projekt zu gewinnen. Vorbehalte gegen das heikle Thema habe es aber kaum gegeben. Dass der Tod auch zum Leben von Schülern gehöre, sei durch Ereignisse wie den Mord an Mirco, die Loveparade in Duisburg, die Amokläufe an Schulen oder den Suizid des Fußball-Nationaltorwarts Robert Enke näher an die Jugendlichen herangerückt als früher. „Gestern sagte mir noch eine Schülerin vom Gymnasium Eickel: Seit Winnenden wissen wir, dass es uns jeden Tag treffen kann“, so Felder.
Er führte aus, dass die Schüler sich im Rahmen des Projekts „Leben bis zuletzt“ mit allen Aspekten und Themenbereichen beschäftigen können, die mit „Sterben und Tod“ zu tun haben: „Sie können sich im eigenen familiären und lokalen Umfeld umsehen und Ärzte und Pfleger, Seelsorger und Psychologen, Kripo-Beamte und Feuerwehrleute, Bestatter und Friedhofsgärtner besuchen“, betonte Felder. Im Mittelpunkt stehe dabei die Hospizarbeit, zu der sie die Leiterin und die Hauptamtlichen ebenso befragen könnten wie die Ehrenamtlichen und die Angehörigen.
Alle teilnehmenden Schüler werden darüber hinaus als Autoren tätig und schreiben gemeinsam an einem Buch, das Texte in allen journalistischen Schreib- und Stilformen, aber auch Kurzgeschichten und Gedichte, Fotos, Bilder, Collagen und Zeichnungen enthalten soll. Auch erhalten sie Zeitungen, um sie auf ihre Berichterstattung über den Themenbereich „Sterben und Tod“ hin durchzuarbeiten. Zwei Straßenumfragen in Herne und Wanne-Eickel runden das Projekt ab.
„Mich erinnert dieses Projekt an die Zeit, als ich selber Jugendlicher war und es noch als viel natürlicher empfunden wurde, wenn jemand starb“, erklärte der Seelsorger des Lukas-Hospizes, Pfarrer Franz Lienen. „Das Sterben ist heute genauso schrecklich wie damals. Das können wir nicht ändern, aber wir können ändern, wie wir es sehen. Deshalb ist es wichtig, dass das in die Öffentlichkeit getragen wird.“ Und Anneli Wallbaum fügte hinzu: „Ich freue mich auf das Projekt und bin schon gespannt auf die Klassen, die uns besuchen werden.“







