Professor Dr. Konrad Schmidt über die Hoffnung als Grundwert christlichen Glaubens
„Hoffnung lebt aus dem Gebet und mündet in das Tun“
In seinen Briefen hat der Apostel Paulus die Hoffnung immer wieder in den Mittelpunkt gestellt. Sie ist ein Grundzug des christlichen Glaubens. Professor Dr. Konrad Schmidt, Leiter der Landvolkshochschule Hardehausen, führt in seinem Gastbeitrag für diese DOM-Ausgabe aus, wie der Apostel die Hoffnung der Christen charakterisiert.
von Prof. Dr. Konrad Schmidt
Der zweite ökumenische Kirchentag im Mai des kommenden Jahres in München hat als Leitwort: „Damit ihr Hoffnung habt!“ In Bibelarbeit, Foren, Referaten, Podien und Gottesdiensten wird dieses Motto durchbuchstabiert. Hoffnung als zentrales Leitwort stemmt sich einerseits gegen alle resignativen Stimmungen. Hoffnung greift zudem einen Grundzug unseres christlichen Glaubens auf.
In der Bibel ist Hoffnung von vornherein positiv qualifiziert. Sie ist nicht ein unbestimmtes Warten, sondern Erwartung des Guten, des Heiles; sie ist Vertrauen. Das Leben des gläubigen Menschen ist grundsätzlich auf Hoffnung begründet – in allen Situationen, in Leid und Freude.
Im Neuen Testament ist es vor allem der Völkerapostel Paulus, der den Gesamtvollzug des Lebens aus dem Glauben charakterisiert. Die Einheit des christlichen Lebens in der Vielgestalt bringt Paulus in der Dreiheit „Glauben, Hoffen, Lieben“ zum Ausdruck. „Unablässig erinnern wir uns vor Gott, unserem Vater, an das Werk eures Glaubens, an die Opferbereitschaft eurer Liebe und an die Standhaftigkeit eurer Hoffnung auf Jesus Christus, unseren Herrn“ (1 Thess 1,3). So im ältesten der Paulus-Briefe, im ersten Brief an die Gemeinde in Thessalonich. Im gleichen Brief (5,8) fordert Paulus auf, für den Tag des Herrn bereit zu bleiben: „Wir aber, die dem Tag gehören, wollen nüchtern sein und uns rüsten mit dem Panzer des Glaubens und der Liebe und mit dem Helm der Hoffnung auf das Heil.“ Glaube, der „hoffend wartet“, verbindet sich mit dem Glauben, der „in der Liebe wirksam“ wird (Gal 5,5f.).
Jeder Gläubige erfährt vielfältige Engpässe. In jeder Bedrängnis sollen deswegen Hoffnung und Durchhalten eng zusammengehören (vgl. 1 Thess 1,3). „Hoffen wir aber auf das, was wir nicht sehen, dann harren wir aus in Geduld“ (Röm 8,25). Hoffnung rechnet nicht mit dem Verfügbaren; sie ist wesentlich vom Vertrauen auf Gott bestimmt. „Seid fröhlich in der Hoffnung, geduldig in der Bedrängnis, beharrlich im Gebet!“ In der Einladung zu einem Leben aus Gottes Geist mutet Paulus dieses zu (Röm 12,12). Im Glauben gewinnt der Christ Kraft zu einer Hoffnung, die als Gabe des Heiligen Geistes geschenkt ist. Unterpfand und Anzahlung des noch ausstehenden Heiles ist die Erfahrung, dass „unsere Hoffnung nicht zuschanden wird“ (Röm 5,5).
Seinen Aufruf zur Einmütigkeit in der Gemeinde beendet Paulus sehr beeindruckend: „Der Geist der Hoffnung aber erfülle euch mit aller Freude und allem Frieden im Glauben, damit ihr reich werdet an Hoffnung in der Kraft des Heiligen Geistes“ (Röm 15,13). Mit der Hoffnung werden dem Glaubenden bedeutende Erfahrungen geschenkt: Friede, Trost und Kraft, Freude.
Paulus ist zutiefst davon überzeugt, dass das Heil schon gegenwärtig ist und andererseits noch aussteht. Es ist die Situation der Zwischenzeit, die durch Bedrängnis und ständige Bewährung bestimmt ist. In dieser Zwischenzeit können wir auch scheitern. Die Härte der Wirklichkeit darf nicht schwärmerisch übersprungen werden.
Der Christ stützt sich nicht auf innerweltliche Garantien, sondern „wartet – harrt aus – in Geduld“ (Röm 8,15). „Die kleine Last unserer gegenwärtigen Not schafft uns in maßlosem Übermaß ein ewiges Gewicht an Herrlichkeit, uns, die wir nicht auf das Sichtbare starren, sondern auch nach dem Unsichtbaren ausblicken; denn das Sichtbare ist vergänglich, das Unsichtbare ist ewig (2 Kor 4,17f.).
Diese Grunderwartung richtet sich auf Gott, den Vater unseres Herrn Jesus Christus, und meint dessen endzeitliches Kommen in unsere Welt. Deswegen kann Paulus von den Heiden sagen, dass sie gottlos sind und keine Hoffnung haben. „Die Heiden, die Gott nicht kennen“ (1 Thess 4,5), trauern, weil sie keine Hoffnung haben. „Wenn Jesus – und das ist unser Glaube – gestorben und auferstanden ist, dann wird Gott durch Jesus auch die Verstorbenen zusammen mit ihm zur Heiligkeit führen“ (1 Thess 4,14).
Papst Benedikt der XVI. spricht in der Enzyklika „Spe Salvi – auf Hoffnung hin“ von der geschenkten, verlässlichen Hoffnung, von der wir unsere Gegenwart bewältigen können. Er bezeichnet das Gebet als „Schule der Hoffnung“; es sei eine „Übung der Sehnsucht“ (Spe Salvi 33). Die Hoffnung lebt aus dem Gebet und mündet in das Tun. Für uns bleibt sehr deutlich die Frage: „Ist christlicher Glaube auch für uns heute Hoffnung, die unser Leben verwandelt und trägt? (Spe Salvi 10).
Diese Erinnerung des Papstes an die verwandelnde Kraft eines Glaubens, der aus der Hoffnung lebt, stellt eine große Herausforderung dar.







