Was bedeutet der Heilige Geist für Jugendliche nach der Firmung?
Hoffnung gegen das Schlechte
Wie ist das, wenn ein guter Freund bei seinem endgültigen Weggang sagen würde, er müsste gehen, sonst könne er nicht seinen Beistand schicken? Die meisten könnten das Gemisch an Gefühlen nicht beschreiben. Den Jüngern wird es ähnlich gegangen sein – Jesus verabschiedet sich endgültig und verheißt einen „Tröster“. Einen, der vom Vater kommt. Und sie alles lehren wird. In der Lage der Jünger, wer hätte das damals wohl verstanden?
von Sibylle Brandl
Heute, 2009 Jahre später, müsste das doch anders sein. Zumindest haben sich viele kluge Menschen Gedanken darüber gemacht, wer oder was der Heilige Geist ist. Doch noch immer herrscht Verwirrung beim „Normalchristen“: Der Heilige Geist? Hmm!
So ähnlich geht es auch einer Gruppe sechszehnjähriger Schüler des Stefan-George-Gymnasiums aus Bingen am Rhein, die über ihre Firmung reden wollen.
Bei ihnen könnte das „Geisterlebnis“ noch frisch in der Erinnerung sein. Sie wurden alle im vergangenen Jahr gefirmt. Aber Florian Andreas, inzwischen sogar Firmpate bei seinem Mitschüler Marcel, gibt unumwunden zu: „Nee, ich habe da nicht wirklich was gespürt. Auch nicht in fremden Sprachen gesprochen. Das mit der Dreifaltigkeit ist für mich so eine Sache. Vater, Sohn kann ich noch gut verstehen, aber den Heiligen Geist habe ich nie so wirklich verstanden.“ Seine Erklärung sei, dass der Heilige Geist einfach die Anwesenheit von Gott verkörpere. Und dass bei der Firmung der Heilige Geist über ihn gekommen sei, „das weiß ich auch bis jetzt nicht, wie das gemeint war“. „Genau“, ergänzt Kilian Stürmer, „der Heilige Geist ist das Einzige, was nicht so konkret ist an der Dreifaltigkeit. Vater – Gott: klar. Sohn – Jesus: auch klar. Aber der Heilige Geist?“
Einen Grund für die Unklarheit sehen die Jugendlichen auch darin, dass in ihren Firmstunden nur am Rande die Rede vom Heiligen Geist war. „Soweit ich mich erinnere im Zusammenhang mit einem Bild von einer weißen Taube“, versucht sich Marcel Fleck zu erinnern. In den Treffen, an die sich Julius Betmann erinnert, ging es weniger um Kirche oder den Heiligen Geist, als „um Gemeinschaft und uns selbst“.
Nicken bei den anderen. Und schon weichen sie dem diffusen Thema „Heiliger Geist“ aus und kommen zu dem Punkt, der ohne den Heiligen Geist nicht denkbar ist: die Gemeinschaft der Glaubenden. Auch wenn es ihnen nicht bewusst ist. Pfingsten, nicht Ostern, gilt als das Gründungsfest der Kirche. Und diese Kirche, diese Gemeinschaft, die in den Gruppenstunden näher beleuchtet wird, hat etwas, das sie zusammenhält, über Jahrtausende. Marcel Fleck bringt es auf den Punkt: „Wieviele Gläubige gibt es? Millionen. Das sagt einem auch, dass man nicht immer alleine ist.“
Allmählich wird im Gespräch klar: Es geht wesentlich um die Frage: „Warum bin ich eigentlich noch dabei, bei dieser Kirche, die sich nicht immer so präsentiert, dass sie mich als Jugendlichen begeistert?“ Die Erlebnisse von „total langen und langweiligen Predigten“ bis hin zu „einem voll coolen Diakon“ markieren die Bandbreite. Was macht mich sicher oder fest im Glauben, wie es das Wort „firmare“ ja aussagt? Und irgendwie hat das ja dann doch was mit dem Heiligen Geist zu tun, wird ihnen deutlich. Für Kilian ist es das Wissen, „dass es etwas Schlechtes auf der Welt gibt. Und dann ist mein Glaube die Hoffnung dagegen. Bei all den Katastrophen ein Schutz, an den man glauben kann“.
Ann-Kathrin Hipp geht es ähnlich: „Wenn ich traurig bin, dann denke ich auch nicht wirklich, dass Gott kommt und alles gut macht. Auch den Heiligen Geist, den stelle ich mir nicht so vor wie ein Geist, der ‚Buh‘ macht“, sagt sie. Vielmehr habe sie das Bild einer unsichtbaren Macht. Der Heilige Geist biete Schutz, sehe aber auch, „wenn man was Schlimmes macht.
Max Clemens bestätigt Ann-Kathrins Meinung und macht das an einem eigenen Beispiel deutlich: „Wenn bei mir etwas Schlechtes passiert ist, dann ist da so ein kleiner Funke Hoffnung. Ein kleines Stück, wo es wieder besser wird“, schildert er. So habe er das konkret bei der Trennung seiner Eltern empfunden. Dann habe jeweils jeder wieder einen Partner gehabt. Für ihn sei aber klar gewesen, dass doch alles vielleicht wieder besser werde. „Und jetzt ist ja auch alles wieder gut“, sagt er. Und auch bei Julius ist der Heilige Geist etwas zwischen Stärkung und einem Register, das man noch zusätzlich ziehen kann: „Bei mir ist der Heilige Geist eine Mischung aus Stärkung und Erziehung.“ Eine Zeit lang sei es für ihn in der Schule ziemlich unsicher gewesen. „Wenn eine Arbeit anstand, dann bin ich in den Gottesdienst gegangen, zwischen Bestechung und Stärkung.“ Der Verdacht: Gott und Glaube, gar der Heilige Geist eine Art Katastrophenhelfer? Wie sieht es dann mit dem Glauben in Glücksmomenten aus? „Ja man sagt doch auch ,Gott sei Dank‘, fügt Marcel an, „man kann zwar denken ,Zufall, Glück‘. Aber irgendwoher muss das Glück ja kommen“, meint er. Er stelle sich das als Gott vor. Wer Glück habe, sei doch auch dankbar.
Was ist also nun der Heilige Geist? Im Verständnis der Zehntklässer etwas, was sich nicht wirklich fassen lässt. Der Geist als etwas, das viel Raum für Spekulationen und eigene Interpretationen bietet. Schutz, Trost, Hoffnung, das sind die Begriffe, die sie mit dem Geist in Verbindung bringen, ohne die Bibelstelle des heutigen Sonntages vorher gelesen zu haben. Und das scheinen nicht nur gelernte Begriffe zu sein, sondern tatsächlich empfunden. Da ist etwas, das durchträgt, die Gemeinschaft durch die Jahrtausende und jeden einzelnen. Die Kirche nennt es den „Heiligen Geist“.







